Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- Seite 209 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4794838-6353489-6353503--0089-4794922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12. I e s cH ir r u ri. Seite 20!). 18!»4 c. 010,000 Mk. gegen «!80,000 Mk. im Ja Me 1808: die nnterstiipten Fälle dagegen vermehrten sich von 18,882 im Jahre >808 a„i 20,484 im letzte» Jahr, welches denn auch degreälichmveoe »nt einem Defizit von c. 80,000 Pik. allschließt. 727 Fälle bekrnicn rnppchc Ginwanderer, 702 solche Petenten, die schon in früheren Jahren die Hilfe des Ii<>nr6 nach^esucht hattell, darllutev 266 ^Melder, Il»7 Schuhmacher, 101 Kürschner,'e. Ter Berich! schließt mit der Bitte an die jüdische (Gesamtheit, durch neue reichere Tvcndcn die Verwaltnng des tloarO vor der Notwendigkeit zu beivahrcn, ihre Thatigkeit cinzuschrnnken. . , ,, - Den Inden in Finnland sollen, wie gernchtwepc mrlantct, alle Rechte gewährt ivcrdcn, deren sich dic Ausländer in Finnland überhaupt erfreuen. In der Gesellschaft für jüdilchc Littcratur ,» Philadelphia sprach Rabb. Dr. .üranslops über das Thema: ..Was können die russischen Juden für das Judentum leisten?" Gr prophezeite den russischen Juden eine plauzende Inkunft und sprach die Erwartung .aus, daß sie die deutschen und englische» Inden bald überflügeln würden. Dr. Kr. hat bekanntlich vor einem halbe» Jahre Rußland bereist. Litterotiir. * Eine Rede, welche Professor Dr. W. -Nowack am 27. Januar, d. I. zur Feier des Geburtstages des Kaisers in der Aula der Universität zu Straßburg über „Die Entstehung der israelitischen Religion" gehalten hat, ist soeben im Verlage von Heiß u. Mündel dortselbst erschienen. Der Verfasser vertritt die Annahme, daß die Israeliten nicht von Anfang an Monotheisten waren, sondern erst in, Pause der Zeit zu der monotheistischen Gottesverehruug gelaugten, und thut dar, wie diese nach und nach von der Verehrung des Gottes der Gerechtigkeit zu derjenigen des Gottes der Liebe sich durchrang, eine Erkenntnis, die dann von Jesaja weitergeführt wurde. Von besonderer Wichtigkeit sei dabei für die Entwicklung seines religiösen Lebens die Ansiedlung Israels in Palästina gewesen, wo Israel aus einem Nomadenzu einem Bauernvolke wurde. Wir kommen auf die Schrift zurück. * Es ist eine erfreuliche Erscheinung der heutigen Zeit, daß auch die theosophischen Erzeugnisse in der Litteratur nicht mehr in Spitzfindigkeiten ihre Beweise suchen, sonder» bestrebt sind, dem Stande der exakten Wissenschaften Rechnung tragend, ausgleichend in den beiden Weltausschauungen idealer und materialistischer Richtung zu wirken. In den Vortrügen über „Wissenschaft und Judentum" von Dr. Elsaß sehen wir durchweg dieses Prinzip in anerkennenswerter Weise gewahrt. Der erste Vortrag setzt in lichtvollend klarer Darstellung das Wesen des Begriffs Religion auseinander und leitet aus derselben alle höheren Bestrebungen allen geistigen Gebieten ab. In dem 2ten — Gott und Welt — wird das Dasein Gottes aus den gesetzmäßigen Bewegungen der Moleküle und Atome in geistreicher Weise bewiesen und in dem 2ten — Darstellung der Schöpfung nach Bibel und Wissenschaft — wird jeder der richtige Platz zugeteilt und nachgewiesen, daß Bibel und Wissenschaft, bei richtiger Auf fassung der Zeit der Bibel um 2000 Jahre zurück und dic Zeit der Naturwissenschaft - etwa 200 Jahre — in keinerlei Widerspruch sich befinden können, zumal die Bibel keinen Anspruch je erhoben hat, naturwissenschaftliche Probleme — nur davon kann die Rede sein - zu lösen, sondern darauf, ein Buch zu sein, worin sittlich religiöse Anschauungen und die daraus resultierenden Wahrheiten enthalten sind. Wenn wir hinzufügen, daß die vollendete stilistische philosophische Darstellung der „zwanglosen Hefte" nach Form und Inhalt allen Ansprüchen genügen, so dürste bei jedem Leser das Verlangen, denselben öfter auf seinem Büchertische zu begegnen, nicht unberechtigt erscheinen. Heinrich Michaelis. Fase Witter. * l Nochmals das Kaddisch-Gebet. Den in diesem Blatte wiederholt gegebenen Erklärungen zum Kaddisch Gebete sei mir gestattet, noch eine anzureihen, die der vor etwa zwei Jahren entschlafene Rabbi Liebmann Adler in Elncago in seiner Gedächtnisrede auf den verstorbenen Rabbiner und Philosophen Dr. Samuel Hirsch daselbst im Jahre 188!) gegeben hat. Adler sagte: „Indem wir diese hehre Trauerfeier mit dem Kaddischgebet schließen, liegt uns dabei der Gedanke fern, damit das Seelenheil des edlen Ver blichenen im Jenseits zu fördern. Das hat der Ehrenmann im Leben schon selbst bestens besorgt, eingedenk des Spruches: Ine vir airi li, nri >i?. Wenn ich mich nicht selbst versorge, keiner sonst kann es. Indessen, wie das Herz eine Befriedigung darin findet, auf dem Grabe, unter welchem die Asche Hingeschiedener Lieben gebettet liegt, den schönsten Blumenflor zu pflegen, und wenn der Verstand fragt: Wozu thust Du das? ihm die Antwort wird: Stille! das verstehst Du nicht, das ist Herzenssache! so findet das pietäterfüllte Herz der Kinder eine Befriedigung in dem Hause, das der Seelenpflege geheiligt ist, den Seelen der Hingeschiedenen Eltern die Blume der Andacht zu widmen. — Ich nenne das Kaddisch die Blume der Spnagogen-Andacht: 1. Wegen seiner mustergiltigen Kürze. 2. Wegen seiner Reinheit von jedem Egoismus, indem darin kein Lamentieren ist um Brot, Kleid, Gesundheit, Leben, langes Leben, noch weniger von Ehre und Reichtum. Um was das Kaddisch betet, ist das Gebet aller guten Menschen: .Im^näUnl rvsiisNuckilascsi, Kclr'mv I'ubduh - Möchte Gottes Größe und Heiligkeit immer mehr wachsen in der Erkenntnis der Menschheit und immer und immer weitere Kreise gewinnen. VVvMnlivh — llebersetzen wir es mit dem bekannten: Zu uns komme Dein Reich. Gottesreich heißt nichts anderes als das Reich der Tugend, der Weisheit, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der 'Nächstenliebe. Gottesreich ist keine fromme Redefloskel, ein Phantom, das erst hinter unseren Gräbern dämmert; es steht jeder darin sowohl fördernd als verzögernd in seinem Leben und Streben. 1N>oIrajvG>,,rt uvvsjoinvckon. — So lange die Tage und das Leben noch Euer sind, fördert das Reich Gottes, und was dem Einzelnen zu schwer ist zu fördern, da werde von Gemeinden und Vereinen das Reich Gottes zu erweiteren vollbracht - nrvsolurff, ckvoliol >,l-8 Pm'avI. Endlich bietet das Kaddisch ein durchgreifendes Trostwort für alles unverschuldete Leiden: Uooliuol, ili v-vro 0hi','sn8vk. — Die Welt und ihre Ordnung hat Gott nach Seinem Willen geschaffen, nicht nach unserem. Und so leben und sterben wir, wird uns das Dasein schwer und leicht, zum Genuß und zum Verdruß nach seinem weisen Ratschluß. Weihen wir diese Blume der Andacht dem Andenken des Mannes, dessen ganzes Leben ein Kaddisch war, ein ernstes, opferreiches Streben, das Reich Gottes nach seiner Auffassung z» verbreiten mit Mund, Feder und Beispiel re." ' Das Thema von den Hamans ist jetzt unausgesetzt an der Tagesordnung, es sei mir darum gestattet, wenn auch »ach Purim, eine Bemerkung über den ersten Haman zu rW > DE