Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- Seite 210 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 210. Jofe-urun. Nr. 13. ) > mache». Es scheint unerklärlich, daß Haman, den kein Erfolg befriedigt, der nichts so erstrebt als die Vernichtung des Mordochai, nnd der in aller Frühe zum Könige eilt, um den Tod des Verhaßten zu erbitten, dieses Ziel scheinbar ganz aus dem Auge läßt, sobald er eine öffentliche Auszeichnung für sich in Aussicht glaubt. Weit eher erwarten wir, daß er dem Könige antwortet: „Einem Manne, den derKönig besonders ehren will gestattet er seinen Totfeind auf einen 50 Ellen hohen Galgen hängen und dabei ausrufen zu lassen: „So wird jedem geschehen, der den Günstling des Königs nicht ehrt!" Wein das Gedankenleben eines Hainau verständlich ist, seine Handlungsweise bekannt, weiß daß ein Hainan nicht nur seine Gegner rücksichtslos verfolgt, er tritt auch seine Wohlt Hüter und Freunde ebenso schonungslos nieder, sobald sie seinen selbstsüchtigen Zwecken im Wege stehen. Wie Raschi und Targum zu Ester 6,1 andeuten, hatte Haman die Absicht, den schwachen Achaschwerosch zu beseitigen und eine Dynastie Haman zu gründen. Sich dem Volke in königlichem Krönungsschmucke zu zeigen hätte zur Besitzergreifung des Thrones die beste Gelegenheit geboten. Einmal König, wäre Mordochai seiner Rache ohnedies nicht entgangen. Ein Zufall, eine königliche Laune, wie viele sagen, die Gerechtigkeit in der göttlichen Weltleitung, wie wir sagen, hat sein Kalkül vereitelt. Inzwischen ist solches schon vielen Hamans passiert und wird in Zukunft jedem Haman sicher ebenso passieren. 8. N. 2. * Aus der „guten alten Zeit". Dem Schreiber dieser Zeilen hat der Zufall eine Urkunde, einen einem Juden kuz enach seiner im Jahre 1835 erfolgten Naturalisation errteiltn „Bürgerbrief", ein Kuriosum aus der „guten alten Zeit" in die Hände gespielt, welches er den Lesern Ihres gesch. Blattes nicht vorenthalten will und es hier folgen läßt: lU. 8.) Gin halber Thaler. (15 Kr.). Der Magistrat der König). Preuß. Jmmediat- und Kreisstadt Sprottau, thut kund und bekannt, daß der israelitische Handelsmann Ignatz Lamm, gebürtig aus Graetz im Großherzogtum Posen, nachdem er die nötigen Erfordernisse nachgewiesen, seinen: Ansuchen gemäß zum Bürger hiesiger Stadt ausgenommen worden ist. Und da derselbe durch nachfolgenden heute vor uns abgeleiteten Eid: „Ich, der Handelsmann Jtzig Lamm, schwöre bei Adonai, dem Gott Israels, daß Sr. Königl. Majestät von Preußen, meinem allergnädigsten Herrn, ich unterthänig treu und gehorsam sein, ineinen Vorgesetzten willige Folge leisten, meine Pflichten als Bürger gewissenhaft erfüllen und zum Wohle des Staates und der Gemeinde, zu der ich gehöre, nach allen meinen Kräften > Mitwirken will, und wenn ich falsch schwöre, so müssen mich alle die Strafen treffen, welche mir in der geschehenen Vermahnung angedeutet werden. Amen." die getreue Erfüllung aller Bürger-Pflichten angelobt hat, so erklärt der Magistrat, gedachten Handelsmann Jtzig Lamm, aller Rechte und Wohlthaten, welche einem Sprottauer Bürger zustehen, hierdurch gleichfalls für teilhastig und genußbar mit dem Versprechen: Ihn bei dem erlangten Bürgerrecht, solange Er sich desselben nicht unwürdig zeigt, gegen jedermann kräftigst zu schützen. Urkundlich nnd zum öffentlichen Glauben ausgefertigt. Gegeben Sprottau, den!l. September 1835. L.) Der Magistrat der Stadt Sprottau. Bürgerbrief für den Handels- Der Magistrat mann Jtzig Lamm aus Graetz. «<>>»->> un„rschris,-»). Das ihm im März erteilte Naturalisations-Patent Hai folgenden Wortlaut: (I,. 8.) (Sj„ halber Thaler. Israelitische Korporation zu Graetz. Nr. 110. Der jüdische Glaubensgenosse Jtzig Lamm wird kraft dieses vorläufigen Naturalisations-Patents zu allen Rechten und Pflichten ausgenommen, welche das Gesetz vom 1. Junius 1833, wegen des Judenwesens im Großherzogtum Posen, den naturalisirten Juden verleiht und auferlegt, vorbehaltlich der diesfälligen ergänzenden und abänderngen Bestimmungen, welche die im Eingänge des genannten Gesetzes verheißene allgemeine Inden- Ordnung für die preußische Monarchie enthalten möchte. Posen, gm 5. März 1835. <P. > Kgl. Preuß. Regierung, z. Posen ktt. Pr. Regemya v. Poziianiu. Königl. Regierung. Abteilung des Innern, (folgt Unterschrift.) Naturalisations-Patent Gebühren: für de» jüdischen Glaubensgenossen Epo"r'mn V Jtzig Lamm zu Graetz. ,5 " Briefkasten. Nach Tilsit. Der Bequemlichkeit unsrer dortigen geschätzten Leser wegen, wird Hr. Bnchdruckereibcsitzcr E. Suttkus auch in Zukunft die Abonnementsbeträge in Tilsit einkassieren lassen. Wir bitten höfischst die von Hrn. S. präsentierten Quittungen zu honorieren. Llaors 1895. Nissan 5655. Aireitag 29 4 (Sabb.-Anf. 6,31) Sonnabend 80 i> K8P1 (S. Ausg. 7.16). Sonntag. . 81 6 Montag . . . 1 7 Dienstag . . .! § 8 Mittwoch . . > 3 9 Donnerstag . .! 4 10 T-reitag . . .! 5 11 ' MW Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den Stt. März in allen Synagog. Abends 6^/4 Uhr. Sonnabend, den 30. März in der alten Synag. Morg. 8^ Uhr, in den übrigen Synag. Morg. 9 Uhr. PredigtVorm lOUHr:Kaiserstr.- Synag. Hr. Rabb. Dr. Rosenzwcig. Jugendgottesdienst Nachm. 4 Uhr: Neue Synag. Hr. Rabb. Dr. Unterleiber. Gottesdienst an den Wochentagen Morg. in allen Synagogen 7 Uhr, abends in der alten Synag. u. Kaiserstr. - Synag. 6 Uhr, in der neuen Synag. u Lindenstr.- Synag. 5 Uhr, v. 1. April er. ab 6 Uhr. Sitzung der Repräsentanten- Perlämlnng Sonntag, den :tt. März^orm: ll Mr, im Sitzungrsaale Oranicnburgerstr. 90. Die hiesige Kantor-, Kkligionslchm- ». KlhWcr-kük ist dis 1. Mai l. I. zu besetz. Geh. 500 M. nebst fr. Wohn. u. ungcf. 250 M. Ncbcnverd. Bewerb, wollen an de» Unterzeichn. gerichtet werden. Schwegenheim, baycr. Rheinpfalz. Der Vorstand M. Walther. Die Stelle eines Tehrers, Dorveters und Schochels ist zu besetzen. Geh. M. 8—900 (ohne Nebenverd.). Seminarist, geb. Bewerber. Lauten, Rheinproviuz. 18. März 1895. _Adolph Aster, Vorsteher. Die Aekigionslehrer-, AorVeter- und SchSchterstelle ist zu des. Festes Ciuk. M. 042,85. Ncbeneink. M- 85«), fr. Wohn, nnd Heiz. Seminarist, gebild. Bewerb. Die israelitische Kultusverwaltung A. Aamverger jr.