Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- Seite 208 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4794838-6353489-6353503--0088-4794921- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 208. I e s «H u r u n. Nr. 18. den Diskussion berichtete Herr Spicwkowskp über die Eindrücke, die er in der letzten Versammlung des liberalen Vereins empfangen und schloß, wie der Referent des 'Abends, mit dem Appell an die Zuhörer, mit Eifer, Wärme und Ausdauer in die Propaganda für die diesjährigen Re'prüsentantenwahlen einzutr^en. In gleichem Sinne äußerten sich alle anderen Redner. — Sodann referierte Herr G. Loeivenb'erg, Mitglied des Repräsentanten - Kollegiums, über den Etat der (Gemeinde. Die hierauf vorgenonnnenen Vorstandsmahlen ergaben die Wahl der Herren Siegm. Berge!, I. Guttmann, I. W. Fernbach, S. Peritz, H. Spandow, H. Bornstein, M. Karfunkel, 2. Jncobius. Den Vorsitz führt an Stelle des Herrn JaeobinS, der erklärt hat ans Gesundheitsrücksichten dieses Amt nicht weitersühren zu können, Herr S. Bergel. Den scheidenden Vorsitzenden ehrte die Vcrsainmlung durch Erheben von den Sitzen, in gleicher Weise das Andenken des entschlafenen Vorstandsmitgliedes Rabb. Dr. Teutschländer. — Der Verein israel. Lehrer Berlins hat sich am Sonnabend konstituiert; er führt den Titel „Wissenschaftliche Vereinigung israelitischer Lehrer Berlins". Zum Vorsitzenden wurde Herr Rektor Dr. Adle r gewählt, ferner gehören die Herren Auerbach, Dr. Blaschke, Nemack und Dr. Sachs dem Vorstande an. — Vor einiger Zeit teilten wir mit, daß in der Reuen Lpnagoge ein gemischter Chor (mit Damen) eingeführt werden soll. An diesem Freitag-Abend soll nun die dinamische Wirkung desselben festgestellt werden. Zu diesem Zwecke macht der Vorstand der Neuen Spnagoge eine Anleihe bei seinem Kollegen in der Lindenstraße, indem Kantor, Ehor und Dirigent für diesen Abend von der Lindennach der Oranienbnrgerstraße übersiedeln, um sich da hören zu lassen. — Wie wir hören feiert der älteste Kantor unsrer Gemeinde, Herr Marksohn, am 1. April sein 25 jähriges Amtsjnbiläum. Fünfzig Jahre erfolgreichen Wirkens vollenden sich in diesem Jabre für die Gesellschaft jüd i sch e r Handwerker und Künstler zur Unterstützung in KrankbeitSfällen, und der Vorstand ergreift die Gelegenheit, durch eine geschichtliche Darstellung der Entwicklung der Gesellschaft auch weiteren Kreisen einen Einblick zu gewähren in die segensreiche Thätigkeit und gedeihliche Wirksamkeit der Gesellschaft während des verflossenen halben Jahrhunderts. Als . durch das königliche Edikt vom 11. Mai 1812 die so lange ersehnte Emanzipation der Zudem die bürgerliche Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen seststellte, wendeten sie sich schnell den bürgerlichen Berufen zu und widmeten sich in großer Zahl dem Handwerk und der Kunst. Die großen Schwierigkeiten, die der Kampf um's Dasein erzeugt, blieben ihnen freilich nicht erspart und drohten oft die Kraft des Einzelnen zu beugen. Das war der Anlaß, der hochherzige Männer dazu brachte, zu einem Verein zusammen zu treten, der Handwerker und Künstler in Not und Krankheit schützen sollte. Der eigentliche Vater des Gedankens, Herr M. H a lle, gehört noch jebt dem Verein an. Am!>. September 1845) waren nach wirksam gehandhnbter Propaganda mit ihm zehn jüdische Handwerker, die sich sämtlich durch Thätigkeit und Intelligenz in die Höhe gearbeitet hatten, znsammengetreten und am 10. September war der Verein konstituiert, begann sein Eingreifen ans der Stelle. Der erste Vorstand beschloß dann bereits, auch Gemeindemitglieder, die ohne Gewerbetreibende oder Künstler zu sein, sich zu jährlichen Beiträgen verpflichteten, für iü den Vorstand wählbar zu erklären. Ein reger Wetteifer entfaltete sich seitdem, und hervorragende Männer stellten sich, ihre Erfahrungen, ihre 'Mittel in den Dienst der Gesellschaft, die von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Umfang gewachsen ist und fortgesetzt Ersprießliches leistet. Ihr wohltätiges Wirken ward staatlich dadurch anerkannt, daß ihr 1878 das Recht einer juristischen Person zugesprochen wurde. Die anfänglich sehr bescheidenen Mittel sind nach und nach so gestiegen, daß im Vorjahre die Gesellschaft ein Vermögen von 157,725 Mark besaß, ca. 24,000 Mark vereinnahmte und 15,800 Mark für ihre Zwecke verausgaben durfte. Die Mitgliederzahl ist jetzt auf 607 Personen, von denen 258 ordentliche Mitglieder, 48!» Ehrenmitglieder sind, gewachsen. Der aus gesunden Prinzipien und auf echter werkthäligee Menschenliebe aufgebaute 'Verein darf mit Stolz aus seine Vergangenheit zurückblicken; mehr als je ist aber jetzt seine verdienstliche Arbeit angebracht, und sein unermüdliches Weiterstreben darf daher aus unbedingte Anerkennung rechnen, aber auch von bisher fernstehenden Kreisen Förderung seiner humanen Ziele beanspruchen. — In der letzten Versammlung des Litteratur - Vereins sprach Herr K. E. Franzos über „Eine Vorstellung des Kaufmanns von Venedig". Es war das Bruchstück eines noch ungedrnckten Romans, das Franzos mitteilte. Held des Romans oder doch des betreffenden Kapitels ist der Fuhrmann und „Pojaz" — der „Bajazzo" — von Barnom, ein galizischer „Eulenspiegel". Als Uhrmacherlehrling in Buczaez, später als Fuhrmann, ergötzt oder ärgert er die Leute durch tausend Schelmenstreiche, aber bei all seiner Gewandtheit kommt er doch nicht dahinter, was sein eigentlicher Berus ist. Endlich kommt er gelegentlich einer Fahrt zum Wunderrabbi von Sadagora nach Ezernowitz. Hier gerät er in ein Theater und wird sich nun über seinen Beruf zur Bühne klar. Den Eindruck, den eine Aufführung des „Kaufmann von Venedig" auf den notdürftig mit der deutschen Sprache vertrauten Menschen »nacht, der bis dahin das Wort „Theater" noch gar nicht gehört hatte, seine späteren Unterhandlungen mit dem Direktor schildert das Roman-Kapitel überaus lebendig und anschaulich. Kitt und dort. Von Ahl warbt hat sich nun auch scinc einzige Stütze, dcr „Deutsche Antisemiten-Bnnd" losgesagt. - Zwei Leuchte» des Antisemitismus, Bürgermeister und Hanptmanu a. T. v. Voß in Bubliv und Buchhändler Ad. v. Theiß in T a r m »ladt sind, wegen Meineides dcr ersrcre, wegen Verleitung Ui einem gleichen Verbrechen dcr andere, verhaftet worden. Selbstverständlich haben diese ailtisciuitischen Führer nie verfehlt, in ihren Agitationen ans die Unglanbwürdigkeit des „Eides der Inden" zu schelten Dar durch »cbernahme der Nabbinersrelle in Lanpheim seitens des .vrn. Tr. Treiiel vakant gewordene Amt eines Ncligionslebrers und stellvertretende» Rabbiners i» Narlsrnhe ist Hrn. Dr. David Sander ans Breslau übertragen worden. Das Nabbinat D Herders wurde in provisorischer Weise durch den Rabbinakskandidat Hrn. Iesaias Straßburger ans Buchau besetzt Derselbe ist dcr Sohn des durch seine pädagogischen Schriften bekannten Lehrers!örn. Straßburger in Buchau. In Ansbach ist der nengcwählte DistriktSrabb. lpr. Dr. Pinchas .Nohn lsrüher in Mannheim» am >!. d. M. durch den Bürgermeister in sein Amt eingeführt und für dasselbe eidlich verpflichtet worden. Das >>>' <tuai'üiaiw" in London hat soeben seinen Bericht pro lN!»L ansgegeben. Die Einnahmen betrugen im Jahre