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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-07-01 · 2 (7.1929) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand UB Ffm
Issue
2 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mitteilungen des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände für citio» l.r> (.ägigen Aufenthalt im Heim dos Ke ichsaitssohusses dor jüdischen .lugendverljändp in Seesen a. Harz, und wir konnten später mit größter Befriedigung feststellen, daß dieses Heim allen Anforderungen eines ersprießlichen Klassengomeinschaf ts-Lobons glänzend gerecht, wird. Nachdem alle Vorbereitungen — wirtschaftlicher und pädagogischer Natur ..... befriedigend beendet waren, fuhr ich mit 24 Schülerinnen, einer Helferin und einer „Ehemaligen" am 11. März nach Seesen, und alle kamen am 26. März sichtlich erfrischt und angeregt zurück. Der Heimlcüung sind wir für die wahrhaft liebevolle Aufnahme zu großem Dank verpflichtet. Das besonders herzliche Verhältnis der Heimleiterin zu den kleinen und großen Gästen, und das Vertrauens- und verständnisvolle Zusammenwirken aller Ilausinsasson förderten sichtlich das Wohlbefinden der Kinder. Arbeil und Erholung standen in gesundem Wechsel; der Tag hatte eine feste, wenn auch nicht starre Einteilung, die je nach besonderen Umstünden — Wetter, Feiertag, Eigenart des Arbeitspensums u. a. — abgeändert werden konnte. Gewöhnlich gab es nach dem ersten Frühstück 1 K> bis 2 Stunden Unterrieht. Dann wurde vor dem Mittagessen meist noch ein Spaziergang unternommen. Nach Tisch war die bei den Kindern besonders beliebte Hausruhe. d. h. Schlafen, Lesen. Plaudern, Nähen. Briefe sehreiben, Ueben in kleinen Gruppen als gegenseitige Nachhilfe bei schwachen Schulleistiingen, ganz nach dem Belieben jedes Einzelnen. Manchmal wurde vor dem Nachmittagskaffee auch noch kurze Zeit unterrichtet oder spazieren gegangen, oder es wurden auch kleine Einkäufe gemacht. Nach dem Nachmittagskaffee wurde wieder 1—1Stunden unterrichtet oder, falls das tägliche Durchsehnittsmaß von etwa :! Unterrichtsstunden bereits früher erreicht worden war, gingen wir wieder ins Freie. Nach dem Abendbrot war bis zum Schlafengehen „gemütliches Beisammensein". Besonders schön, feierlich und fröhlich verliefen die beiden Freitagabende. Pas Zusammenleben von Lehrerin und Schülerinnen gestaltete sich durchaus erfreulich. Täglich lernte man sich besser kennen und schloß sich mehr aneinander. Allseitiger guter Wille und gegenseitiges wachsendes Verständnis erleichterten die Arbeil, förderten das Zusammenleben im Heim, und werden sich hoffentlich auch im weiteren Schulalltagslehen segensreich auswirken. Kurzum, der Aufenthalt im Schullandheime Seesen bedeutete für uns alle eine große Bereicherung und sollte von jeder Schulkla.sso und ihrer Lehrerin angestrebt werden. MITARBEIT IN DER FÜRSORGEERZIEHUNG_ Das jüdische Fürsorgeerziehungswerk befindet sich in einem gründlichen Keformprozeß, an dem die jüngeren Kräfte der jüdischsozialen Arbeit aktiven Anteil nehmen. Der gesamten jüdischen Jugendbewegung erwachsen hieraus zwei Aufgaben: die Direktoren der Jungen- und Mädchenanstalt haben sich bereit erklärt, reifere Gruppen der Jugendbewegung zum Besuch und zur Anregung der Jugendlichen in den Anstalten einzuladen. Ls müssen sich daher besonders in Berlin sehr bald derartige Gruppen bilden. Wichtiger noch: die widerrufliche Entlassung von Jugendlichen aus der Anstalt hängt oft davon ab, daß jemand in der Großstadt, eine Art Schutzaufsicht nach der Entlassung Ubernimmt. 5

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