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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand UB Ffm
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Im Nahmen einer staatlichen Gesamtordnung der Wohlfahrtspflege ist es schwer, eine sachliche Begründung für die Existenz religiöser st)stematischer Wohlfahrtspflege im allgemeinen zu geben, und dies um so melr, als sehr oft die Begründung religiöser wohlfahrtspflegerischer Unternehmungen aus Gelte en stammt, die mit sürsorgerischen Absichten nichts mehr zu tun haben. Es ist hierbei insbesondere an die sehr oft mit religiöser Wohlfahrtspflege verbundenen Missions- und .heilsideen zu denken. Politisch und entwicklungsmäßig gesehen, ist religiöse Wohlfahrtspflege ihrem konservativen Charakler gemäß zumeist reaktionär. Das Judentum nimmt innerhalb der religiösen Gemeinschaften, und damit auch in Bezug auf die Frage der Wohlsahrtspflege eine Sonderstellung ein. Es ist tatsächlich lerne reine Religionsgemeinschaft, sondern durchaus von volkhaflen Bindungen bestimm:. Hinzu kommt, daß das Judentum als Gesamtheit einen dauernden, sich täglich verschärfenden Wirtschafis- und Lebenskampf mit fallender Kurve führt. Trotz allen Bemühungen des Centralvereins ist dieser Wittschaftskamps heute stärker denn je sichtbar. Die Reaktion des Judentums darf aber nicht nur in der Abwehr bestehen. Die Lehren dieses Wirtschaftskampfes müssen bevöllkrungspolitisch gezogen werden. Das deutsche Judentum bedarf einer völligen Neuordnung seiner Wirtschaftsschichtung. Der Wohlfahrtspflege im weitesten Sinne des Wortes eröffnen sich hieraus Aufgaben schwerstwiegender Art Das Wort „Wohlfahrtspflege" ist „erblich belastet" und für viele mit Almosengeben und -nehmen untrennbar verbunden. Für uns ist Wohlfalrtspflege der Inbegriff aller fürsorgerischen und sozialpolitischen Unternehmungen. Deshalb sind die gegenwärtigen Ausgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland Aufgaben jüdischer Regeneration und Erhaltung. Es wird ersichtlich, weshalb in diesem Zusammenhänge die beoölkerungspolitischen Fragen eine wesentliche und entscheidende Rolle haben müssen. Es ist außerordentlich schwierig, die jüdische Wohlfahrtspflege in allen ihren Teilen logisch zu begründen. Dis heute sind kaum die eisten An. sänge jüdssch-wissenschastlicher Untersuchungen über all die grundlegenden und entscheidenden Fragen der jüdischen Wohlfahrtspflege zu verzeichnen. Das Wirkungsausmaß der jüdischen Wohlfahrtspflege ist nicht so groß, wie es Im allgemeinen angenommen wird. Während vor dem Kriege die Ausgaben für Wohlfahrtspflege, die die Kommunen zu leisten hatten, ca. 15 Prozent des Etats In Anspruch genommen haben, erreichten diese öffentlichen Ausgeben nach neuesten Statistiken bei einer Fülle wich iger Städte ca. 50 Prozent. Die meisten jlldlschenGemeinden geben durchschnittlich 5 bis 10 Prozent von Ihrem Etat für Wohtfahrtszwecle aus, nur wenige bis zu 20 Prozent, und nur in ganz seltenen Fällen geht der Prozentsatz über diese Ziffern hinaus. Der Gedanke, daß die jüdische Wohlfahrtspflege nur eine subsidiäre ist, ist im Grunde durchaus nichtig. Doch es darf nicht verkannt werden, daß dieser Grundsatz seine Grenzen finden muß in den Notwendigkeiten der gegenwärtigen jüdischen Situation. Darüber hinaus bedürfte die Einstellung der Juden zur jüdischen Wohlfahrtspflege einer besonderen Unlevsuchung. Es scheinen doch in den letzten Jahrzehnten grundlegende Wandlangen vor sich gegangen zu sein. Das gute jüdische Herz ist doch zumeist nur noch sehr selten zu finden. Die großen gegenwärtigen Ausgaben Mischer Wohlfahrtspflege können nur mtt allergrößter Mühe bewältigt werden, obl

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