Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 346 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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fahrtsämtern gesehene Gefahr einer Politisierung auf Grund seiner reichen Erfahrung verneinte. — Der Reichszusammenschluß hat die Aufnahme des V. Wohlfahrtsverbandes in seinen Arbeitskreis beschlossen, was wir als einen bedeutsamen Schritt auf dem Wege des umfassenderen Aiisbaues dieser wichtigen Gesamtorganisation der sozialen Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge ansehen möchten. — Bei der Jahrhundertfeier derSchlesischen Gefängnis-Gesellschaft stand eine Aussprache des Justizministers Dr. Schmidt, der ebenfalls aufs wärmste für das Zusammenwirken von Fürsorge, Strafrecht und Strafvollzug eintrat, sowie ein eingehender Bericht des Oberjustizrats Dr. G e n t z vom Preußischen Justizministerium über die bedeutsame praktische Neuregelung des Strafvollzugs in Stufen im Vordergrunde. Der öffentlichen Tagung voraus gingen eingehende interne Verhandlungen des Reichszusammensehlusses, über deren Ergebnis in einem anderen Zusammenhang später zu berichten sein wird. F. O. Bericht über den 5. Kongreß des Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung vom 8. bis 21. August 1929 in Heisingoers (Dänemark) Das Ziel der Konferenzen des Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung ist die Zusammenführung aller Personen, die die „neuen Ideale in der Erziehung zu verwirklichen suchen", und „die Stärkung jener Bande, welche die Vorkämpfer der Erziehung in der gesamten Welt verbinden". Die besondere Aufgabe dieses Kongresses sollte die Klarlegung dessen sein, was in den verschiedenen Ländern geschieht, um „die Ideale, die Philosophie und die Psychologie der neuen Erziehung in der Schulpraxis lebendig zu machen". Die Konferenz war von fast 2000 Teilnehmern aus 43 verschiedenen Staaten besucht. 370 Teilnehmer waren aus England, 227 aus den Vereinigten Staaten, 250 aus Deutschland; das überwiegende Element bildeten die anglo-amerikanischen Teilnehmer. Ihre Sprache, ihre Ideologie beherrschte den Kongreß. Mitbestimmend für die Kongreßarbeit war die Teilung der Kongreßteilnehmer in eine Gruppe der Freunde und Mitarbeiter des Weltbundes und in die große Gruppe der Personen, die an modernen pädagogischen Problemen interessiert sind und die in einer viel größeren Zahl erschienen, als die. Kongreßleitung erwartet hatte. Die geringe Anzahl weit voneinander entfernt liegenden Vortragsräume in Heisingoers, die Notwendigkeit, viele Teilnehmer in den Orten der Umgebung unterzubringen, boten äußere Schwierigkeiten für die Schaffung eines Zusammenhanges zwischen den Teilnehmern und für eine planmäßige Zusammenarbeit. Es herrschte frohe Ferienstimmung, die durch die herrliche Lage der Geburtsstätte Hamlets begünstigt wurde. Man konnte schwimmen, Ausflüge nach Südschweden unternehmen und hatte außerdem jeden Tag die Möglichkeit, zu einigen der vielen Vorträge und Kurse des Kongresses zu gehen! Die Konzentration der Vorträge auf bestimmte pädagogische und psychologische Probleme war vorhanden; doch fehlte es an einem übersichtlichen Arbeitsplan, vor allem aber an einer verbindenden leitenden Idee für die Gesamtarbeit. Das Thema der Konferenz lautete: „Die neue Psychologie und der Lehrplan". Vertreter psychoanalytischer, individualpsychologischer Richtungen aus verschiedensten Ländern, vor allem aus der Schweiz und Österreich, behandelten! die psychologischen Probleme (u. a. Pf ister, Zürich; Zulliger, Ittigen bei Bern; Friedmann, Wien). Das für die moderne Pädagogik besonders wichtige Gebiet der Gestalttheorie wurde von Prof. Kurt Lewin, Berlin, in zwei Vorträgen behandelt. Zwei von ihm auf- 346