Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 340 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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Schulpflege, Milchverteilung an kranke Kinder erwähnt. Diesem Zweck soll besonders das große Gesundheitszentrum in Jerusalem dienen und später das noch zu eröffnende Universitätskrankenliaus. Kurz nach dem Kriege entstand die zentrale Frauenorganisation Ilistadrulh Naschim Ibrioth. Sie befaßt sich mit Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge. Erwähnt sei noch die Tätigkeit der Moazot-ha-Irgunim und der WIZO, die in der Hauptsache hauswirlschaftliche Ausbildung durch Gründung von Schulen in Tel-Aviv, Nahalal und in Jerusalem und Abhaltung von Wanderlehrgängcn in den Kwuzoth anstreben. In keinem Lande haben die Juden soviel durchgemacht wie in Polen. Die Berichte sprechen von großer Not, aber auch von einer Hingebung an die Arbeit, die die schier unabwendbaren Schwierigkeiten zu beseitigen sucht. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Rechtsschutz für Frauen und Jugendliche, der Arbeitsvermittlung, der Bekämpfung der Prostitution und dem Schutze der Emigration gewidmet. In verschiedenen Orten hat man Heime für obdachlose gefährdete Mädchen, Wöchnerinnenheime, Tagesheime für Kinder, Waisenhäuser und Ausbildungskurse eingerichtet. Feodora Kelter schildert die Arbeit in D a n z i g, die durch Massen- Ein- und Durchwanderung sich sehr schwierig gestaltet. Durch die Gründung eines Obdachlosenheimes und einer Volksküche — im Jahre 1927 bis 1928 wurden 20 000 Mittagessen verabreicht — versucht man, der schlimmsten Not vorzubeugen. Die Bahnhofshilfe wirkt besonders segensreich. Aus dem holländischen Bericht ist die Tätigkeit des Jüdischen Frauenrates und insbesondere des Vereins zum Schutze jüdischer Mädchen hervorzuheben. Der Verein besitzt das 1926 gegründete Haus für obdachlose, schutzbedürftige Mädchen. Außer diesen ausländischen Berichten gibt Marta Ollendorff eine ausgezeichnete Darstellung der Entwicklung der Frauenbewegung und Frauenarbeit in Deutschland in den letzten 25 Jahren. Schi. Jugend in Not Von Dr. phil. Miriam van Waters, Jugendrichterin in Los Angeles, Kalifornien. Ins Deutsche übertragen von Dr. jur. Hans Weiß, Zürich. Mit einem Vorwort von Dr. AJice Salomon, Berlin, Carl Heymanns Verlag 1929. E»s ist kein wissenschaftliches Buch und kein schöngeistiges, es ist ein wahres, lebendiges Bild sozialer Arbeit, wie sie von Miriam van Waters getan wird. Sie schaut das Kind, den Jugendlichen, der irregegangen ist, mit den Augen eines Künstlers. In dem ersten Kapitel „Ein Tag im Gericht" beschreibt sie Auftreten, Bewegungen, Mienen von Kindern, die, wie sie selbst sagt, mehr verraten, als alle Worte, über das, was die Kinder tatsächlich sind. Der Fürsorger muß Künstler sein, „Bildner und Former am menschlichen Leben". Ein Künstler schaut, steht zurück, urteilt nicht, sondern sucht zu erfassen, zu verstehen. Hier in diesem Buch fühlen wir etwas davon, von der großen Ehrfurcht vor der Jugend und vor der Menschheit. Die Verfasserin schildert in dem Kapitel „Der Konflikt in der Familie", belegt an Fällen, das Verhalten von Jugendlichen, die in zerrütteten Familien leben. Sie zeigt die scheinbar Fügsamen, die ihre unbefriedigten Bedürfnisse später in Asozialität und Kriminalität auswirken, und diejenigen, deren seelische Beschaffenheit zu einem offenen Kampfe mit dem Elternhaus führt. Neben der zerrütteten Familie aber zeigt sie eine Idealfamilie, die dem 340