Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 339 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fabeltieren des orientalischen Märchens und den Dämonen der mittelalterlichen Mystik, — aber alles, Urjüdisches und Fremdes ist miteinander verwoben und zusammengehalten durch die warme, gemütvolle Sprache des jüdisch-deutschen Idioms. Dieses Sammelbuch nun, dessen eigentlicher Autor anonym blieb, dessen erste bekannte Ausgabe 1602 in Basel erfolgte, hat Bertha Pappenheim, der die Amsterdamer Ausgabe von 1723 vorlag, aus der hebräischen Schrift in die deutsche übertragen und damit einem weiten Leserkreis erschlossen. Die Sprache des Originals ist so weit gewahrt, als sie dem Verständnis des nicht philologisch Gebildeten zugemutet werden konnte. Das Buch ist eine Fundgrube für den Fachmann, den Philologen und den vergleichenden Literaturhistoriker; sie finden fremde Stoffe in jüdisches Gewand gekleidet und jüdische Stoffe wiederum durch neue, exotische Motive umgestaltet. Aber es ist gerade der Vorzug des Buches, daß auf jedes wissenschaftliche Beiwerk, auf Kommentar, auf Fußnoten verzichtet worden ist. Die Uebersetzung der zahllosen hebräischen Worte wird in unauffälliger Weise in Paranthese in knapper Form gegeben. Vor allem aber ist mit diesem Werk den Eltern ein Buch geschenkt, wie sie es brauchen, um ihre Kinder wieder in der jüdischen Gedankenwelt heimisch werden zu lassen. Darum wüßte ich dem Buch von Bertha Pappenheim keinen besseren Wunsch zur Begrüßung als edn Zitat aus dem Titelblatt einer der ältesten Ausgaben des Maassebuchs, dem Rödelheimer Druck von 1753, wo es heißt: „Dest wegen ir leit, kumt bei zeit, um' kauft es mit lust un' freid, da mit ir in der jiro (Gottesfurcht) mecht geroten da mit hakodoschboruchhu (Gott) behend schicken mecht sein boten, un' uns aus den Golus zihn, un' mekaref das Ende sin. Amen. (Das Ende des Exils bald herbeiführe.) Bertha Fränkel-Ehrentreu. Soziale Arbeit jüdischer Frauen im Ausland. Anläßlich der Weltkonferenz jüdischer Frauen, die vom 3. bis 6. Juni 1929 in Hamburg stattgefunden hat, wurden die beteiligten Länderorganisationen gebeten, Tätigkeitsberichte einzusenden, die der Jüdische Frauenbund in dem vorliegenden Büchlein „Weltkonferenz jüdischer Frauen" veröffentlicht hat. Die knapp gefaßten Berichte aus Belgien, Danzig, Deutschland, Holland, Palästina, Polen, Tschechoslowakei und Schweiz bringen sehr viel Material über die vielseitige Tätigkeit der Frauen in der Wohlfahrtspflege. Wie wesentlich diese Arbeit ist, ersieht man daraus, daß sie in einigen Ländern fast ausschließlich in Frauenhänden liegt. Aus allen Berichten ist zu entnehmen, daß im Mittelpunkt der Arbeit Frauenschutzbestrebungen stehen: Mütter- und Säuglingsschutz, Schutz der Arbeitskraft der Frau, Rechtsschutz, Bekämpfung des Mädchenhandels und der Prostitution. Sehr lebendig schildert Hanna Helene Thon die soziale Arbeit in Palästina. Sie wird zumeist von Frauen geleistet, die sich in letzter Zeit zu großen überlokalen Organisationen vereinigt haben. Da ist zunächst der bereits vor dem Kriege gegründete Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina zu nennen. Er beteiligt sich jetzt an der Ausbildung der Landarbeiterinnen und an der Erhaltung von Kindergärten. Kurze Zeit vor dem Kriege wurde in Amerika die „Hadassah" gegründet. Ihr Programm war die hygienische Fürsorge für Palästina. Von der jetzigen segensreichen Tätigkeit seien hauptsächlich die im ganzen Land verstreuten Säuglingsstationen, Schulspeisungen, 339