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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-11-01 · 6 (November-Dezember 1929) · p. Seite 338

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
6 (November-Dezember 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 338 (sequence 56)
Language
German
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und Kinder nach ß'/olägiger Arbeitswoche den Sabbatheingang gemeinsam begehen können. Samstags wird vormittags ein Kindergottesdienst in der kleinen Synagoge des Settlements von einem der Old Girls abgehalten. Wenn eines der Old Girls nicht kommen kann, spricht eines der Kinder die Gebete. Nachmittags findet für diejenigen Erwachsenen, die vormittags arbeiten müssen, ein kurzer Gottesdienst statt. Zu den Feiertagen wird immer ein großer Saal gemietet und ungefähr 1000 Personen hören andächtig den alten und den modernen Gebeten zu. Die Gemeinde wächst langsam, aber stetig; sie hat ihren eigenen Beerdigungsverein; Trauungs- und Konfirmationsfeierlichkeiten stärken das Gemeinschaftsleben. Die Gemeinde füllt durch ihr Dasein eine Lücke aus, die zwischen Orthodoxie und Liberalismus besteht und bietet denjenigen, denen weder das eine noch das andere zusagt, Gelegenheit zu gemeinsamem Gottesdienst. Für die erwachsenen Mitglieder des Settlements werden häufig abends Vorträge und Konzerte veranstaltet. Die Suckoh wird jedes Jahr von einigen tausend Leuten besucht. Zum Seder kommen die Witwen und Waisen, die keine Gelegenheit haben, Sederabend zu halten. Wenn man gefragt wird, was der eigentliche Sinn der ganzen Settlementsarbeit ist, so müßte man etwa folgendes antworten: die Kinder zu religiöser Toleranz zu erziehen, Vaterlandsliebe und Treue zu ihrem Land in ihnen zu erwecken und ihnen die Verpflichtungen bewußt zu machen, die sie als Juden unter Nichtjuden haben. Rose L. Henriques. Bücher, Zeitschriften (Besprechungen, Eingänge und Neuerscheinungen) Besprechungen Das Maasse-Buch. Von Bertha P a p - penheim. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M. Preis 9RM. (Für Studierende 6 RM.) Bertha Pappenheim, die schon die Gestalt der Glückel wieder aufleben ließ und uns die „Z'enu Ur'enu" noch in Bereitschaft hält, hat einen alten Schatz jüdischer Volksweisheit erschlossen in dem „Maasse-Buch", das der Verlag J. Kaulfmann, Frankfurt a. M., soeben erscheinen läßt. Dieses „Buch der Geschehnisse" ist eine Sammlung von 350 Erzählungen, die vorwiegend dem Talmud und den Midrasch entnommen sind. Daneben aber spielen orientalische, alexandrinische Märchenmotive, spätjüdisches und deutsches Sagengut herein. Am häufigsten finden wir den Mann des Volkes, mühselig, ärmlich, gedrückt von der Fron des Erwerbes und doch von einem heimlichen Glanz umgeben, den Gläubigkeit und Gottesfurcht ihm verleihen: der Jude des Ghettos, der heimliche Königssohn, der nur am Sabbat seine Krone trägt. Vielerlei Typen zeigt von ihm das Maasse-Buch: der „Maukir Schabbes", dem für Sabbalfreuden kein Opfer zu groß ist, der „Baal Zdoke", dem die „Gabboim", denen die Almosensammler der Gemeinde ausweichen, weil er weit über sein Vermögen den Armen spendet, der „Fröhlichmacher" und der Talmudbeflissene, alle Stände und Berufe treten auf, und Frauen dazwischen, kluge und fromme, schwache und treulose, Gattin und Mutter, Kalle und Matrone und das Kind, das aufgeweckte frühreife Kind der jüdischen Gasse. Witz und Geistesschärfe der talmudgeschulten Nation einen sich mit dem Zauberspuk, den 338

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