Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 337 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Wettspiele und Wettkämpfe ausgetragen. Die Klubmitglieder nennen sich fratres und alle Vorgänge stehen im Zeichen der Selbstverwaltung, Selbstbeherrschung und Selbstverleugnung. Man schätzt die Menschen nach ihrem Sein, nicht nach ihrem Besitz und erlebt dabei die schönsten Überraschungen. Die jungen Menschen werden auf ihre Pflichten als Bürger ihres Landes hingewiesen. Durch die intime Beziehung zwischen den sozialen Arbeitern und den Klubmitgliedern werden alle Schwierigkeiten der heranwachsenden Menschen besprochen und aufgeklärt. Häufig kommt man auf Ausflügen oder in den Zimmern der Fürsorger zu wertvollen Aussprachen; Klassenunterschiede verwischen sich durch diese intimen Beziehungen fast vollständig. Größter Wert wird auf gesundheitliche Pflege gelegt. Vor dem Camp wird jedes Mitglied ärztlich untersucht, damit z. B. Herzleidende oder Tuberkuloseverdächtige dauernd beobachtet werden können. Im Krankheitsfall oder bei Unfall werden die Kinder zum Arzt oder ins Krankenhaus geschickt. Auch die Versendung in Erholung wird vom Settlement aus organisiert. Im Alter von 18 Jahren werden Jungen und Mädchen Mitglieder der Old Boys- und Old Girls-Klubs. Dort gelten sie als Erwachsene. Ihnen wird natürlich eine größere Freiheit eingeräumt als in den Klubs der Jüngeren. Merkwürdig ist, wie stark sie an den Spielen von früher hängen, ihr liebstes Thema ist das Camp, zu jeder Gelegenheit werden alte Erinnerungen aufgefrischt. — Auch in den Klubs der Erwachsenen endet der Abend mit Gebet. In diesem Alter aber fängt man an, sich für Liebeleien zu interessieren. Bisher war eine schöne und unbefangene Beziehung zwischen den Knaben und Mädchen festzustellen. Wenn sich die Pärchen vermählt haben, kommen sie immer wieder, später auch mit ihren Kindern, wöchentlich ein- oder zweimal in den Klub, wo sie sich häufig genug wie 16jährige benehmen. Die Mitglieder, die außerhalb Londons wohnen, erfahren alle Neuigkeiten: eine monatliche Zeitschrift orientiert sie über alles, was im Settlement vorgeht. Man sieht mit Stolz und Freude, wie sich die auswärtigen Mitglieder bemühen, die Klubideale in fremden Ländern zu verbreiten. In Leeds, Amerika und Südafrika existieren schon kleine Klubs, die von diesen jungen Leuten gegründet worden sind. Die ganze Anerkennung, die diese tapferen Menschen brauchen, ist das Lob, das der Stammklub ihrer Tätigkeit zollt. In aller Settlementsarbeit, in der ganzen einfachen und ziemlich unbequemen Lebensweise der Settlementsbewohner lebt der religiöse Geist. Es wird den Kindern nicht vorgeschrieben, welche der jüdischen Gebräuche sie beobachten sollen, — das wird den Eltern überlassen. Immerhin versucht man aber, ihnen beizubringen, daß man die Lehren ihrer Religion nicht nur für den offiziellen Gottesdienst zu reservieren habe, sondern daß der Alltag im Sinne eines Gottesdienstes aufzufassen und die Ethik des Judentums in die Schul- oder Geschäftsarbeit hineinzutragen sei. Damit für diejenigen, die Freitags bis spät abends arbeiten müssen, eine Gelegenheit zum „Schabbesmachen" geschaffen wird, wird Freitag abend um 8.30 Uhr in einem großen gemieteten Saale Gottesdienst abgehalten. Die alten, schönen Melodien, aber auch angebrachte Teile aus moderner Musik werden von dem Chor der Klubmädchen gesungen; der Warden und Subwarden lesen die Gebete teils englisch, teils hebräisch vor. Frauen und Männer sitzen beisammen, so daß die Möglichkeit besteht, daß Väter, Mütter 337