Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 335 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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steht. Eherechtliche Fragen werden dem Beth Din oder dem Verein für Frauenschutz gemeldet. In einer Kartothek werden alle Anfragen notiert. Die Lebensgeschichten werden natürlich streng vertraulich behandelt und dürfen nur von dem Warden und seinem zuverlässigsten Helfer eingesehen werden. In Räumen, die abends als Mädchenklub dienen, werden Mütter- und Säuglingssprechstunden abgehalten. Die beiden Krankenschwestern der Säuglingsklinik stehen den Müttern, welche die Klinik besuchen, täglich zur Verfügung. Es werden Nahrungsmittel und Kleidung verkauft, Medizin verabreicht und ärztliche Ratschläge erteilt. Nach den Sprechstunden machen die Krankenschwestern bei den bettlägerigen Wöchnerinnen, sowie bei den Müttern, welche die Klinik nicht regelmäßig aufsuchen, Besuche. Die Kartothekkarten mit den Lebensgeschichten der Kinder werden nach drei Jahren dem Wohlfahrtskomitee der betreffenden Schule, in die die Kinder kommen, übergeben. Zum Zwecke einer Untersuchung vor dem Eintritt in die Schule werden die Karten, wenn es nötig ist, dem Schularzt vorgelegt. Vormittags verrichten die Fürsorger ihre verschiedenen Arbeiten im Bezirk. Diejenigen, die an den nahegelegenen Schulen arbeiten, halten ihre Besprechungen mit den Lehrern oder auch mit den Kindern ab; mit den Kindern dann, wenn Bedenken hinsichtlich der Klagen der Eltern vorliegen, ihre Kinder würden von den Lehrern etwa vernachlässigt werden. Wichtig ist auch die Auswahl der Kandidaten für Lehrerstellen, die Abfertigung von Empfehlungsschreiben an das Ministerium. — Wer in der Gesundheitsfürsorge arbeitet, macht die notwendigen Besuche bei den Eltern der Schulkinder, um die vom Schularzt vorgeschriebene Behandlung zu fördern. Der Fürsorger muß die Eltern zur Pflege und Behandlung der Zähne, Augen usw. anhalten, damit bei der nächsten schulärztlichen Untersuchung neue Weisungen getroffen werden können. — Auch diejenigen Eltern müssen besucht werden, die um freies Essen oder Lebertran für ihre Kinder nachsuchen. Bettlägerigen Patienten werden Besuche abgestattet. Die Fürsorger kehren nach ihrer Arbeit müde und hungrig zum Settlement zurück, wo sich zwischen 12 und 2 Uhr das Luncheon-Klub abspielt. Die Mitglieder dieses Klubs, Lehrer oder Fürsorger, werden von der Settlementsküche verköstigt. Zu geringem Preis bekommt man entweder ein kräftiges MittageSsen oder einen leichten Imbiß. Der Klub wurde eingerichtet, um den Lehrern der benachbarten Schulen eine Mittagspause außerhalb der Schule in einer Atmosphäre der Ruhe, in freundlichen, gut gelüfteten Räumen zu ermöglichen. Zwischen Lehrern und Fürsorgern besteht ein nettes familiäres Verhältnis; viel Arbeit wird durch die Unterhaltungen während der Lunchzeit erledigt. In den Klubräumen finden nachmittags Komiteesitzungen statt. Die Mütterberatungsstelle sowie eine Nähstube werden von jungen Müttern und Frauen regelmäßig besucht. Um 4 Uhr fängt die erste Kinderstunde (Hort) an. Es versteht sich von selbst, daß, wenn die Kinder schon mit drei Jahren zur Kinderschule gehen dürfen, sie dort nur Spielstunden haben. Nach Beendigung der Kinderschule kommen die drei- bis elfjährigen Kinder in die Spielstunden des Settlements, in denen sie, statt sich auf der Straße aufzuhalten, bis zum Schlafengehen unter Aufsicht beschäftigt werden. Im Winter bekommen die Kinder warmen Kakao. Sie ziehen sich später in die Waschräume zurück und kommen danach in das Spielzimmer, in dem sie sich aus den großen Wandschränken ihre Spielsachen 335