Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 325 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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lung angemeldet, dagegen wurde in den letzten Monaten keine offene Stelle zur Besetzung angeboten. Zieht man in Betracht, daß wir zur Zeit überhaupt höchstens 85 Stellen in ganz Deutschland für Berufskräftc zur Verfügung haben, so ist die Zahl von 28 Stellungsuchendcn außerordentlich, groß. Hinzu kommt noch, daß eine Umfrage bei allen sozialen Frauenschulen in Deutschland ergeben hat, daß diese zur Zeit von über 60 jüdischen Schülerinnen besucht werden. Sollte auch nur ein geringerer Prozentsatz von diesen in die jüdische Wohlfahrtsarbeit streben, so haben leider auch die übrigen gegenwärtig recht schlechte Aussichten, in der interkonfessionellen Arbeit unterzukommen, da, wie vorhin aufgewiesen, der Arbeitsmarkt allgemein höchst ungünstig liegt und noch besonders beschränkt für die Jüdin ist, die für eine große Reihe von Stellen (z. B. in Landkreisen) von vornherein ausscheidet. Es darf aus diesem Tatsachenmaterial nun nicht etwa gefolgert werden, daß die Wohlfahrtspflegerin überflüssig geworden ist. Im Gegenteil, gerade der jüdischen Wohlfahrtspflege tut ein weiterer Ausbau dringend not und bei einer Reihe größerer Gemeinden und Verbände fehlt es an den geschulten Berafskräften. Sobald sich diese Stellen zur Einstellung solcher durchringen, wird auch die gegenwärtige Ueberfüllung des sozialen Berufes sicherlich gemindert2). Frieda Weinreieh. Ehrenamtliche Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege. Im Zusammenhang mit den in Nr. 5 der Zeitschrift (Seite 259) veröffentlichten Ausführungen von Dr. Paula Kronheimer bringen -wir die nachstehenden Betrachtungen über den Arbeitsbereich der ehrenamtlichen Mitarbeit — vor allem der ehrenamtlichen Mitarbeit der Frau — in der jüdischen Wohlfahrtspflege. Die Schriftleitung. Der Streit, ob ehrenamtliche oder berufliche Arbeit in der Wohlfahrtspflege (W.-Pfl.) vorzuziehen sei, muß jeden unverständlich anmuten, der die Entwicklung der W.-Pfl. verständnisvoll miterlebt hat und die Anforderungen der Arbeit kennt. — Die rein ehrcnmalliche Arbeit hat sich in der W.-Pfl. ziemlich lange erhalten, teils weil man glaubte, daß zur Hilfeleistung keine besonderen Kenntnisse nötig seien und dem Hilfsbedürftigen der gute Wille genügen müsse, teils weil man die Verantwortung, die man durch jeden Eingriff in das Lebensschicksal anderer übernimmt, nicht in ihrer vollen Schwere erkannte. Die Entwicklung der letzten Jahre brachte weiten Kreisen die Einsicht, daß Maß und Umfang der Hilfeleistung nicht von dem Belieben des Helfers abhängig sein dürfe, sondern daß die Wohlfahrtspflege, auf Grund wissenschaftlicher Forschung nach soziologischen und sozialpolitischen Zusammenhängen, mitarbeiten muß an der Schaffung neuer Lebensformen, die großen Kategorien Notleidender bessere Lebensmöglichkeiten gewähren. Die daraus sich ergebenden Aufgaben waren so groß und vielfältig, daß sie nicht mehr nebenbei von Menschen, die durch eigene Interessen stark beansprucht werden, übernommen werden konnten. Es mußten Personen gefunden werden, die neben besonderer menschlicher Eignung über spezifische Vorbildung verfügen und bereit sind, sich ganz in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Dafür war ihnen die Gesamtheil die Sicherung ihres Lebensunterhalts schuldig. In der jüdischen W.-Pfl. gibt es verhältnismäßig wenig Berufsarbeiter und bei der schlechten finanziellen Lage der Gemeinden sind auch die Aussichten, daß die Zahl sehr steigen wird, Es war beabsichtigt, auch einen Ueberblick über die Berufslage der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen, Jugendleiterinnen, die in unseren jüdischen geschlossenen und halboffenen Anstalten tatig sind, zu geben. Da das eingegangene Material nicht vollständig genug ist, muß diese Arbeit einem späteren Zeitpunkt vorbehallen bleiben. 325