Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 317 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Beschäftigung mit diesen Problemen die Stellung des Rabbiners;zu seinen Gemeindemitgliedern weitgehend beeinflußt werden muß, und daß hier auch der Ausgangspunkt ist, der zu einem Studium der Fürsorgeprobleme und zur praktischen Mitarbeit in der Fürsorge •— die ja nur ein besonderes Gebiet der Seelsorge darstellt — führt. Das seelsorgerische Motiv, das bei der Berufswahl im allgemeinen eine sehr geringe Rolle spielt, ist doch bei vielen, wenn auch zunächst vielleicht schwach, vorhanden, aber es ist sicher weiterer Ausbildung und Entwicklung fähig; darauf muß das Studium besonderes Gewicht legen; die Nachschulung der im Amt Befindlichen ist eine weitere wichtige Aufgabe — mindestens ebenso wichtig, wie Vorträge über die neueren Ergebnisse der Bibelforschung oder der Geschichte. In diesem einseitigen Interesse drückt sich die Ueberschätzung der Wissenschaft und die Unterschätzung der praktischen — und doch so lebensnotwendigen — Aufgaben aus. Daß diese Ausbildung, für die hier ein Programm nicht entwickelt werden soll, weit gefaßt werden muß, daß sie die moderne Psychologie unter Einschluß von Psychoanalyse und Individualpsychologie, Psychopathologie, Theorie der Fürsorge zu umschließen hat, dürfte selbstverständlich sein. Diese theoretische Ausbildung, so wertvoll sie ist, bleibt aber dann wirkungslos, wenn sie nicht das seelsorgerische Interesse, das soziale Motiv weckt und entwickelt, das allein zum Handeln aus innerer Notwendigkeit treibt. III Scelsorge und Wohlfahrtspflege, Bemerkungen zu ihrer begrifflichen Klärung und Abgrenzung1) Von Rabbiner D:\ Joachim Prinz, Berlin Die Einbeziehung der sozialen Arbeit in den Bereich der sogenannten Seelsorge ist eine Forderung, der sich heute kein Seelsorger entziehen kann und entzieht. Ja, es hat sich — wenigstens in den größeren Gemeinden — herausgestellt, daß der größte Teil der Arbeitszeit des Rabbiners mit sozialer Arbeit angefüllt ist. Seit einiger Zeit gibt es an den Rabbinerbildungsanstalten Dozenten für Wohlfahrtspflege. Der Allgemeine Deutsche Rabbinerverband unterhält einen eigenen sozialen Ausschuß, dessen Büro der praktischen sozialen Ausbildung der Studierenden dient und von Zeit zu Zeit gewisse im Rahmen der rabbinischen Sozialarbeit liegende Erhebungen anstellt1). Der Vorschlag des Sozialrabbiners ist neuerdings gemacht worden und man hat ihn auch in gewissem Sinne verwirklicht. Praktisch also scheint manches getan und sehr vieles gewollt zu sein. Wir haben das Vertrauen, daß noch vieles verwirklicht werden wird, was heute als Plan in den Kreisen der Rabbiner diskutiert wird. Dagegen scheint mir theoretisch noch sehr vieles im Argen zu liegen. Es mag das an der sehr bedauerlichen Tatsache liegen, daß wir in Deutschland keine theologische Zeitschrift haben und daß deshalb die eigentliche theologische ') Zu dem praktischen Teil des Fragenkomplexes vgl. die Aufsätze in Heft 1/2 der Zeitschrift „Jüdische Arbeits- und WanderfUrsorge" Jahrgang III, von Dr. Felix Goldmann und mir: „Rabbiner und soziale Arbeit". 317