Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 308 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Die Ausführungen von Dr. Erich Fromm zur „Psychologie des Mädchenhandels" sind die psychologische Kehrseite dessen, was ich mehr auf juristischer und ökonomischer Basis auszuführen versucht habe. Ich brauche wohl nicht zu betonen, daß ich sie als eine überaus wertvolle Ergänzung meiner Darlegungen dankbar begrüße. Es bliebe nur noch zur endgültigen Abrundung der gesamten Fragestellung offen, einen soziologischen Aufriß des Personenkreises zu geben, der in der Hauptsache die entscheidende Rolle in der Bekämpfung des Mädchenhandels spielt. Ich bin sicher, daß sich dadurch höchst interessante Streiflichter zur Beurteilung des merkwürdigsten sozialpolitischen Problems unserer Zeit ergeben würden. 5 Es erscheint mir nicht mehr notwendig, abschließend etwa noch einmal sachlich das Ergebnis der Diskussion zusammenfassend darzustellen. Der Worte sind beinahe zuviel gewechselt. Ich möchte jedoch nicht verfehlen, als Ergänzung meiner Ausführungen auf die kürzlich erschienene Veröffentlichung des Regierungs- und Kriminalrats Dr. Kopp, des jahrzehntelangen Leiters des deutschen Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung des Mädchenhandels, wohl des besten Kenners dieser Materie, auf das eindringlichste hinzuweisen („Die Polizei", Nr. 4 vom 20. 2. 29.). Wer ernsthaft sich weiterhin an der Diskussion beteiligen will, wird sich mit diesen Ausführungen vorerst auseinandersetzen müssen. Ich kann nicht schließen, ohne ein Wort des vielgescholtenen ausgezeichneten französischen Schriftstellers Albert Londres zu zitieren: „Solango es Arbeitslosigkeit gibt, solange junge Mädchen frieren und hungern, solange die Frau nicht genügend verdient, um krank sein zu dürfen, sich sogar — so weit gehen ihre Ansprüche — einen Wintermantel zu gestatten, manchmal den Ihren und ihrem Kinde zu Essen zu geben, solange wir den Zuhälter an unsere Stelle setzen und ihm den Teller Suppe hinhalten . .. Verbrennt die Häuser, zerstreut ihre Asche! Ihr habt nur Feuer gemacht und große Gesten! Die Verantwortung tragen wir. Halten wir ihr Stand." Zur Aussprache über die sozialen Aufgaben des Rabbiners (Siehe Heft 5, Seite 237 ff.) I Rabbiner Dr. Katten, Görlitz In einem so überschriebenen Aufsatz spricht Siddy Wronsky Gedanken und Forderungen aus, die die Tätigkeit des Rabbiners angehen. Diese Ausführungen bedürfen meines Erachtens stellenweise einer Ergänzung und wohl auch Berichtigung. Da sie mit historischen Betrachtungen eingeleitet werden, will auch ich in paralleler Führung solche an den Anfang stellen. 308