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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-11-01 · 6 (November-Dezember 1929) · p. Seite 303

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
6 (November-Dezember 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 303 (sequence 21)
Language
German
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elementaren Lebensbedürfnisse hinausreicht, die Möglichkeit gibt, gewisse Triebregungen, von denen einige oben als für die Prostitution charakteristisch dargestellt wurden, zu sublimieren. Aller Luxus, Reisen, schöne Kleider, das gesellschaftliche Leben usw., bietet die Möglichkeit solcher Sublimierungen. Für den Besitzlosen, der auch geringe Chancen zum gesellschaftlichen Aufstieg hat, sind alle diese Sublimierungsmöglichkeiten verschlossen. Dieselben Triebregungen zwingen ihn, wenn sie eine gewisse pathologische Stärke besitzen, zu Handlungen, die mit dem Gewissen und den Ansprüchen der gesellschaftlichen Moral im Widerspruch stehen. Aus diesen Feststellungen ergeben sich einige Konsequenzen: Der Mädchenhandel in dem geringen Umfang, in dem er existiert, muß selbstverständlich bekämpft werden. In dem Umfang, in dem er die Gemüter bewegt, besteht er nicht als Tatsache, sondern er muß dazu herhalten, durch Einengung des realen auf einem formal-juristischen Tatbestand vom Zentralproblem der Prostitution die Aufmerksamkeit abzulenken und gleichzeitig eine Befriedigung bestimmter Phantasien und Tagträume zu bilden. Die Prostitution hat ganz bestimmte psychische Ursachen, die im individuellen Charakter der Prostituierten liegen. Sie kommt aber nur unter bestimmten wirtschaftlichen Verhältnissen zustande, und deshalb sind alle Versuche, unter den bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen die Prostitution wirkungsvoll bekämpfen zu wollen, aussichtslos. Die Prostitution ist nicht ein Problem, das isoliert betrachtet werden kann, und das isoliert gelöst werden kann, sie ist vielmehr ein Spezialproblem, das nur in der Reihe anderer mit der wirtschaftlichen Struktur der heutigen Gesellschaft verbundener Probleme gelöst werden kann. Der Wunsch, es dennoch isoliert zu betrachten, entspricht einem Bedürfnis, den Kernpunkt zu umgehen, und so mag die Mädchenhandelsbekämpfung wohl den Bedürfnissen mancher Kreise nach dem Uebersehen der eigentlichen Wurzeln dieses Phänomens entsprechen, aber nur eine nüchterne Betrachtung der Tatsachen kann verhindern, daß gesellschaftliche Mittel an falscher Stelle verwendet werden und daß der Blick von den eigentlichen Notwendigkeiten zur Bekämpfung dieser Erscheinungen auf Nebensächliches abgelenkt wird und damit in Wirklichkeit der Kampf behindert und verzögert wird. IV Dr. Max Kreutzberger Zum Abschluß der Aussprache aber Fragen des Internationalen Madchen- und Franenhandels geben wir im Folgenden dem Verfasser des einleitenden Aufsatzes (Heft 4, Seite 181 ff.) das Schlußwort. 1 Die Redaktion dieser Zeitschrift hat es für richtig befunden, meinem in Heft 4 erschienenen Aufsatz „Das Problem des internationalen Mädchen- und Frauenhandels" unmittelbar ein Nachwort von Hannah Karminski als Sprecherin des Jüdischen Frauenbundes folgen zu lassen. Dieses Nachwort muß im Leser den Eindruck erwecken, als hätte Hannah Karminski 303

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