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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-11-01 · 6 (November-Dezember 1929) · p. Seite 291

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
6 (November-Dezember 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 291 (sequence 9)
Language
German
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nis, aufs ausdrücklichste festzustellen, daß genügend jüdische Beteiligung besteht, um es für Juden zu einer gebieterischen Forderung zu machen, aufs schärfste dafür zu kämpfen, ihn auszurotten. Kein antisemitischer Aufruf an das „Proletariat", die Juden hätten alles Geld der Welt oder zögen aus allem den größten Nutzen, kann einen so schlimmen Erfolg haben, wie die Anklage, daß Juden Mädchen zu ihrem eigenen Verderben verkuppeln. Eine skrupellose antisemitische Agitation könnte sehr leicht durch diese Frage ebenso Unruhe erregen, wie es das bekannte Ritualmordmärchen tut. Deshalb ist es besonders die Aufgabe der jüdischen Sozialarbeiter, auf jede mögliche Weise dieses Uebel zu bekämpfen. Die Jewish Association for the Protection of Girls and Women hat alles getan und tut alles, was in ihrer Macht steht, unterstützt von ihr angeschlossenen, arboitsbereiten Organisationen in anderen Ländern; aber wir haben das Gefühl zu beseitigen, daß dies nicht sehr stark die Juden anginge, und als könnu man auf falsche Anklagen lediglich mit Verachtung reagieren. Ich habe auf der Internationalen Jüdischen Konferenz von 1927 eine Methode vorgeschlagen, um die Aktion gegen die Zuführung von Mädchen und Frauen zur Prostitution zu intensivieren; ich fürchte, es ist nur die herrschende Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit der jüdischen Gemeinschaften im allgemeinen (trotz vieler ehrenvoller Ausnahmen), welche verhindern, daß diese Vorschläge durchgeführt werden. Ich habe bei vielen Gelegenheiten gegen einige der Geschichten protestiert, die in dem Bericht der Expertenkommission des Völkerbundes enthalten sind, wegen ihrer Absurdität und Uebertreibung, und ich konnte in meiner Eigenschaft als Mitglied des Völkerbundsbeirates viele Verbesserungen in dein Originalbericht erreichen. Aber es sind in dem Bericht hinlängliche und nicht ungenaue Hinweise für die Notwendigkeit jüdischer Arbeit enthalten. In London leite ich das Central-Bureau of the Jewish Association for the Protection of Girls and Women, und ich bin in täglicher Berührung mit allen unseren Komitees und Vertrauensleuten in Osteuropa und Südamerika sowie in anderen Teilen der Welt. Ich kann es mit großer Bestimmtheit aussprechen, daß es viele Fälle gibt, die unser Handeln erfordern, und daß diese Fälle den Polizeibehörden, den Regierungsstellen und dem Völkerbund bekannt sind. Die Zeitungen berichteten kürzlich von der Festnahme von Rabbinern, eines Sekretärs und eines Agenten, die sich an der Ausstellung falscher Trauscheine beteiligt hätten, in der Absicht, jüdische Mädchen zu veranlassen, ins Ausland zu gehen. Diese Fälle unterliegen zur Zeit richterlicher Nachprüfung, und ich stelle umfassende Nachforschungen an; aber dies ist nur einer von mehreren Fällen, mit denen sich im Augenblick meine Organisation in Verbindung mit den Behörden beschäftigt. Unsere Komitees in Polen, besonders in Warschau und Lodz, können im einzelnen bestätigen, was ich sage. Unser Komitee in Buenos-Aires leistet vielleicht die beste Arbeit im Kampfe mit den Mädchenhändlern bei ihrer Arbeit auf den „Märkten". Wir erhalten regelmäßige Berichte, welche jedesmal Fälle nennen, in denen gegen Mädehenhändler und Zuhälter vorgegangen wird, 291

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