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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-11-01 · 6 (November-Dezember 1929) · p. Seite 286

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
6 (November-Dezember 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 286 (sequence 4)
Language
German
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und ihren Eltern zu sprechen; ich habe auch Untersuchungen an Ort und Stelle, in den verschiedenen Teilen von Europa und Südamerika, gemacht, ich stehe in engster Berührung mit der Polizei in verschiedenen Ländern und mit privaten Organisationen aller Glaubensgemeinschaften. Für die Jewish Association for the Protection of Girls and Women bin ich Mitglied des Beirats des Völkerbundes und als solcher vollständig vertraut mit allem, was die Regierungen und der Völkerbund selbst unternommen haben. Deshalb kann ich in Anspruch nehmen, aus reicher Kenntnis und Erfahrung zu sprechen. Dr. Kreutzberger erwähnt die Jewish Association for the Protection of Girls and Women nicht. Sie war indes unter den Pionieren dieser Arbeit und wurde schon 1885 begründet. 44 Jahre hindurch hat sie nicht aufgehört, Krieg gegen die Händler zu führen und Mädchen und Frauen auf jede nur mögliche Weise zu schützen. Diese Gesellschaft hat auch die Arbeit in Deutschland angeregt, die dann von Tuch in Hamburg und Maretzky und Bergel in Berlin so tatkräftig aufgenommen wurde. Dr. Kreutzberger weiß anscheinend nicht, daß die Gesellschaft Komitees und Korrespondenten in den meisten Ländern der Welt eingesetzt, daß sie den Mädchenhandel sehr energisch in Südamerika bekämpft und daß sie die Gesetzgebung in Großbritannien vorwärts getrieben hat, durch welche der Transport von Opfern durch England vollständig unterbunden wurde, daß die Gesellschaft viele Opfer gerettet, und daß sie schließlich die Ueberführung und Bestrafung von vielen Männern, die den verruchten Handel betreiben, erreicht hat. Dr. Kreutzberger versucht darzutun, daß es keine befriedigende Begriffsbestimmung für „Mädchenhandel" gibt, und führt dabei lediglich die Entscheidungen der Pariser Konferenz von 1902 an. Vielleicht hat er weder die Uebereinkommen von 1904, noch die Abkommen von 1910 und 1921 gelesen. Er bezieht sich weder auf die Auseinandersetzungen auf einer der Internationalen Mädchenhandelskonferenzen, noch auf die Verhandlungen der Konferenz des Völkerbundes von 1921 oder der jährlichen Zusammenkünfte des Beirats beim Völkerbund. Er führt „Statistiken" der Polizei betreffend Verhaftungen wegen Mädchenhandels an, aber er sagt uns nicht, daß diese Statistiken sehr eng begrenzt sind, und daß fast jeder Polizeifachmann zugeben wird, daß nicht alle Fälle, die als Mädchenhandel bekannt sind, in diesen Statistiken erscheinen. Sind alle Schuldigen gefaßt worden? Natürlich nicht. Die sich mit dem Mädchenhandel abgeben, sind äußerst schlau, und sie sind bemüht, jeder gesetzgeberischen Bewegung mit irgendeiner neuen Methode zu begegnen. Dr. Kreutzberger zieht das Bestehen einer internationalen Organisation der Mädchenhändler ins Lächerliche. Das tue auch ich. Sie sind keine solche Narren, sich in einer ausgesprochenen Organisation zusammenzuschließen, aber tatsächlich kennen sie einander, treffen sich häufig in verschiedenen Teilen der Welt, vergleichen ihre Notizen, kennen die Märkte, auf denen sie ihre Ware verhandeln können, und vor allem kennen sie die Schwäche ihrer Opfer. Werden unschuldige Mädchen zu Opfern des Mädchenhandels gemacht? Ach, leider ist es nur allzu wahr, daß es so ist. Einst wurden sie in großer Zahl nach verschiedenen Ländern verschifft, 286

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