Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 275 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zusammenfassend kann man sagen, daß das jüdische Volk in den letzten 100 Jahren eine bedeutsame Entwicklung erfahren hat, sowohl was seine Expansion als auch seine berufliche Struktur anbetrifft. Es ist ein großer Verdienst von Jakob Lestschinsky, daß er diese beiden bedeutsamen Entwicklungen im jüdischen Volke an Hand von statistisch gut durchgearbeitetem und durchdachtem Material nachgewiesen hat. Bei der Fülle des Materials und bei der zeitweisen Inkommensurabilitäl der Statistiken (zeitweise fußen sie nur auf Schätzungen) dürfen die aus dem einzelnen Zusammenhang genommenen Zahlen nur mit großer Vorsicht angewandt werden. Viel bedeutsamer erscheint uns der Nachweis der allgemeinen Tendenz in der strukturellen Entwicklung des jüdischen Volkes, der Jakob Lestschinsky sehr glücklich gelungen ist. Diese Abhandlung kann neben dem vor drei Jahren erschienenen Buch desselben Autors über „Probleme der Bevölrungsbewegung bei den Juden Metron", (Padua Instituto di Statistica), zu den Standardwerken der jüdischen demographischen Literatur gerechnet Werden. Schi. Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes. Der neue Kalender des Jüdischen Frauenbundes (IV. Jahrgang) verleiht der Internationalität der Ideen und Ziele des Jüdischen/Frauenbundes in neuen, künstlerischen Formen denkbar starken Ausdruck. Er stellt aus Städten vieler Länder typische jüdische Lebensformen, typische Bauweisen dar, läßt aus Statuen, Bildern, Landschaften und künstlerischen Schöpfungen jüdisches Leben der Vergangenheit und Gegenwart zu uns sprechen. Außerordentlich eindrucksvoll und lehrreich sind die Abbildungen jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen in vielen deutschen und außerdeutschen Städten. — (Preis des Kalenders 3,25 RM. pro Stück, zu beziehen durch die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Berlin N 24, Monbijouplatz 10). Erstrebtes und Erreichtes. Eine Jubiläumsschrift. Herausgegeben vom Verein ehemaliger Ahlemer zu seinem 25. Stiftungsfest. Hannover- Linden 1929. Die Vereinsmitteilungen erscheinen diesmal in Form eines Büchleins. Den Autsätzen über Berufsumschichtung und Ahlems pädagogische Bedeutung folgen Arbeitsberichte ehemaliger Zöglinge aus den verschiedensten Ländern. Zu erwähnen sind besonders die Aufsätze: Von der Landwirtschaft zur Großgärtnerei; Blumenkultur in Berlin; das Lehrgut Rodges bei Fulda; sowie aus dem Auslande: zwei Berichte aus Palästina, ein Aufsatz über jüdische Pionierarbeit in Polen, Berichte von Island, Kalifornien, New-Orlcans, Kanada und Neu-Guinea. Die 1839 gegründete Gartenbauschule ist die erste jüdische Ausbildungsstätte in Deutschland, in der mit systematischer Ausbildung der Jugend im Gartenbau begonnen wurde. Die schön ausgestattete Jubiläumsschrift verdient, insbesondere im Zusammenhang mit den jetzt stark erörterten Berufsumschichtungsfragen, eine besondere Beachtung. Jedem, der an der Erziehung der jüdischen Jugend zur Arbeit in der Landwirtschaft interessiert ist, kann das Lesen dieser Schrift besonders herzlich empfohlen werden. Das Waisenhaus in Darmstadt 1697—1831. Von Dr. Jutta Ger lach. Verlag Hermann Beyer & Söhne, Langensalza 1929. Eine sehr interessante, für die Entwicklung des deutschen Anstaltswesens im 18. Jahrhundert charakteristische, geschichtliche Darstellung. 275