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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-09-01 · 5 (September-Oktober 1929) · p. Seite 274

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
5 (September-Oktober 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 274 (sequence 42)
Language
German
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sich die sephardischen Juden nur von 600 000 auf 900 000 vermehrt. Das osteuropäische Judentum ist seinerseits viel stärker angewachsen als das westeuropäische. 1825 wurden 2 232 000 Seelen gezählt, 1925 bereits 12 643 000. Im westlichen Europa stiegen die Zahlen von 438 000 auf 1 292 000. Der sechsfachen Vermehrung der Bevölkerung in Osteuropa steht demnach nur eine dreifache Vermehrung in Westeuropa gegenüber. Eine bedeutsame Veränderung hat auch die geographische Einteilung des jüdischen Volkes in den letzten 100 Jahren erfahren. Während 1825 in Europa 83,2 "/o des Gesamt judentums konzentriert waren und in Amerika lediglich 0,3 0,o, werden jetzt in Amerika bereits 29,5 % des Gesamtjudentums und in Europa 62,8% gezählt. Auch die politische Herrschaft ist durch den Weltkrieg verschoben worden. Vor dem Kriege gehörten zu der größten jüdischen Gemeinschaft in Rußland — 48,8 "/o des Gesamtjudentums, jetzt nur noch 18,2»/o, während 19,3 o/o unter polnische Herrschaft gekommen sind. Immer mehr Juden konzentrieren sich in Städten. 54,3 o/o des gesamten Weltjudentums sind Großstädter. Der Verfasser führt allein 166 Gemeinden auf mit über 10 000 jüdischen Seelen. Hand in Hand mit der Expansion der jüdischen Bevölkerung geht auch die Berufsumschichtung vor sich, die den Inhalt des 2. Teils der Arbeit bildet. Einerseits entstanden innerhalb des jüdischen Volkes, das bis vor 100 Jahren fast ausschließlich Handel betrieben hat, infolge wirtschaftlicher Umwälzungen breite industrielle Massen, die freien Berufe nahmen zu, und es hat sich sogar eine dünne landwirtschaftliche Schicht gebildet. Andererseils bildeten sich in der umgebenden nichtjüdischen Bevölkerung, die sich bis dahin im stärksten Maße auf die Landwirtschaft und in Städten auf das Handwerk konzentriert hat, die gleichen Händler und Vermittlergruppen wie bei der jüdischen Bevölkerung. Durch diese strukturellen Änderungen hat das jüdische Volk seine isolierte Stellung als Händler und Vermittler verloren. Der Verfasser bringt sehr wichtiges historisches Material und Dokumente, welche die kritische Lage des osteuropäischen Judentums Ende des 18. Jahrhunderts darlegt. Er schildert die Übersiedlung der Juden aus den übervölkerten Städtchen Polens nach Neurußland und die Anfang des 19. Jahrhunderts einsetzende Emigration nach Deutschland und Amerika. Ein besonderes Kapitel wird der gegenwärtigen Berufsschichtung der Juden gewidmet. An Hand der Statistiken aus Sowjetrußland, Ungarn, Tschechoslowakei, Rumänien, Lettland und Deutschland zeigt der Verfasser, wie sich die gegenwärtigen Erwerbsquellen der jüdischen Bevölkerung in diesen Ländern verteilen: Landwirtschaft 5,5o/o, Industrie und Handwerk 32,8%, Handel und Transport 41,9o/o, Beamten- und liberale Berufe 6,1 o/0) Hausdienst und Tagelöhner 1,6'o/o, andere und unbestimmte 12,lo/o. Die proletarischen Elemente, zu denen sowohl die Arbeiter als auch die Angestellten gerechnet werden, umfassen 35,8 «/o der jüdischen erwerbstätigen Bevölkerung in Polen, Rußland, Rumänien, Ungarn, Tschechoslowakei und Deutschland. Unter den Arbeitern nehmen die Industriearbeiter eine führende Stellung mit 61,10/0 ein. Auf der Grundlage dieser Berechnung versucht der Verfasser die Gesamtzahl der jüdischen proletarischen Bevölkerung zahlenmäßig zu erfassen und kommt auf die Zahl von 2 Millionen, d. h. etwa 40% aller erwerbstätigen Juden. Des weiteren wird die soziale Struktur der Juden und der Nichtjuden in den einzelnen Wirtschaftszweigen und Ländern behandelt. 274

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