Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 273 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bücher und Zeitschriften Besprechungen Schriften für Wirtschaft und Statistik. Hand I. Veröffentlichungen der Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdischen wissenschaftlichen Instituts, Berlin 1928. Der vorliegende inhaltsreiche Band ist die erste Veröffentlichung der Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdischen wissenschaftlichen Instituts. Sie bedeutet eine außerordentliche Bereicherung der an wissenschaftlichem und statistischem Material sehr armen jüdischen sozialpolitischen Literatur. Das uns besonders interessierende Problem der Wandlung der demographischen Struktur des jüdischen Volkes wird durch das reich zusammengetragene, kritisch beleuchtete Material eingehend behandelt. Der Band enthält eine ganze Reihe von Abhandlungen, denen Übersichten, Miszellen und Bibliographie angeschlossen sind. Das Werk ist in jiddischer Sprache erschienen, eine deutsche Inhaltsangabe erleichtert jedoch seinen Gebrauch. Aus Raummangel bringen wir dieses Mal nur eine ausführliche Besprechung der Abhandlung von Jakob Lestsc h ins ky: „Das jüdische Volk im Wandel der letzten 100 Jahre". Eine Besprechung der für unsere Arbeit besonders bedeutsamen Untersuchungen von Prof. Simon Dubnow: Probleme der Wirtschaftsgeschichte der Juden, N. Gergel: Zur Statistik der jüdischen Pogrome in der Ukraine, Dr. M. J. Guttmann: Zum Problem des Selbstmordes bei den Juden; Die ostjüdische Einwanderung in eugenischer Betrachtung, I. Koralnik: Uber die Besonderheiten der Mortalität und Morbidität der Juden; Demographische Wandlungen im osteuropäischen Judentum, Jakob Lestschinsky: Berufe und soziale Struktur der Juden Ostu. Mitteleuropas, behalten wir uns noch vor. Im Vordergrund der Arbeit von Lestsc h ins ky steht die Untersuchung über die Umsiedlung und Umschichtung der Juden in den letzten 100 Jahren. Durch die Umsiedlung in verschiedene Länder hat das jüdische Volk an Expansion gewonnen, durch die Umschichtung hat es seine isolierte, nur auf eine Klasse der Händler beschränkte Stellung innerhalb der anderen Völker eingebüßt. Der erste Teil der Arbeit ist dem Problem der Expansion und Konzentration der Juden in verschiedenen Ländern gewidmet. Die Bevölkerungsstatistiken in den einzelnen Ländern sind sehr uneinheitlich. Als Grundlage für die Berechnung der gesamten jüdischen Bevölkerung in der Welt bediente sich der Verfasser der Ergebnisse der Volkszählungen oder der als besonders zuverlässig angesehenen Schätzungen in den einzelnen Ländern. Von hier ausgehend errechnete er rückläufig unter Berücksichtigung des hypothetisch angenommenen natürlichen Zuwachses und der Ein- und Auswanderung die Stärke der jüdischen Bevölkerung bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Berechnung betrug die jüdische Bevölkerung 1825 — 3 281 000, 1850 - 4 764 500, 1880 — 7 663 000, 1900 — 10 602 500, 1925 — 14 800 500 Seelen. Die Zahl der Juden in den letzten 100 Jahren hat sich somit verfünffacht. In den letzten 25 Jahren betrug die jährliche durchschnittliche Zunahme des jüdischen Volkes 170 000. Die Bevölkerungsbewegung bei den verschiedenen Teilen des jüdischen Volkes ist verschieden. Während das askenasische Judentum sich von 2 680 000 im Jahre 1825 auf 13 900 000 im Jahre 1925 vermehrt hat, haben 273