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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-09-01 · 5 (September-Oktober 1929) · p. Seite 267

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
5 (September-Oktober 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 267 (sequence 35)
Language
German
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Die Gesellschaft „OSE" betonte vom ersten Augenblick ihrer Gründung an gerade die sozialmedizinischen Momente ihrer Aufgaben, die nicht etwa in der Schaffung von neuen Krankenhäusern und Anstalten zur Behandlung von Kranken bestanden, sondern in der Durchführung von Maßnahmen zur Kräftigung der physischen und psychischen Konstitution der Juden, zu ihrer Ertüchtigung, zur Bekämpfung derjenigen sozialen Uebelstände und überlieferten Lebensgepflogenheiten, die den Körper und die Seele des Jüdischen Volkes gefährden und seine Widerstandskrait beeinträchtigen und herabsetzen. Die Gesellschaft „OSE" verlegt den Schwerpunkt ihrer Bestrebungen in den Grundsatz der Eigenhilfe, der besagt, daß die Bevölkerung nicht nur Objekt, sondern mehr auch Subjekt der gesundheitsfürsorglichen Maßnahmen sein soll: die jüdische Bevölkerung soll in ihrer Gesamtheit aktiven Anteil nehmen an dem Ausbau ihres Gesundheitsdienstes. Zu diesem Zwecke wurden nicht nur in den Hauptstädten, sondern auch in den kleineren Städtchen des Ostens selbständig geleitete und untereinander durch die Zentrale (die ursprünglich ihren Sitz in Petersburg hatte) verbundene OSE-Gesellschaften gegründet. In den einzelnen Ländern sind die Ortsgcsellschaften der „OSE" zu Landesverbänden vereinigt, deren Tätigkeit durch die Zentrale, den Verband „OSE" in Berlin, geregelt wird. In Polen trägt die Schweslerorganisation der „OSE" den Namen „TOZ". Die finanziellen Mittel der Gesellschaften „OSE" setzen sieh aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Fonds und aus den Subventionen der Zentrale zusammen. In den Naehkriegsjahren wurde die Tätigkeit der „OSE" in hervorragendster Weise durch den amerikanischen „JOINT" gefördert. Außer den Subventionen des „JOINT" fließen dem Verband „OSE" ansehnliche Spenden aus verschiedenen Ländern der ganzen Welt zu. Die Berliner Jüdische Gemeinde brachte ihre Anerkennung der verdienstvollen Leistungen der „OSE" zum Ausdruck, indem sie im Oktober 1928 dem Verband „OSE" eine Subvention von 3000 RM. zuteil werden ließ. Entsprechend ihrer prophylaktischen Grundtendenz betrachtet die „OSE" die hygienische Aufklärung als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, (Abhaltung von Vorträgen, Vorlesungen, Seminarkursen, Herausgabe zahlreicher Broschüren in jiddischer Sprache, Merkblätter, Plakate, Veranstaltung von Ausstellungen, Gesundheitswochen usw.). Das zweite große Gebiet der Tätigkeit der „OSE" ist die Kinderfürsorge vom Säuglingsalter bis zur Beendigung der Schulzeit. Ihre Maßnahmen zur Ertüchtigung der heranwachsenden Generation trifft die „OSE" durch Einrichtung zahlreicher Beratungsstellen für Mutterschafts¬ und Säuglingsschutz, verbunden mit hygienischer Belehrung der Mütter, durch Milchküchen, Erholungsheime, Sanatorien, Turnunterricht, Kindergärten, heilpädagogische Ueberwachung u. ä. Zu den bedeutendsten Leistungen der „OSE" gehört die Gründung der Gesundheitshäuser in Kowno und Kischinew, in welchen die praktischen Maßnahmen der sozialen Gesundheitspflege, namentlich im Kindesalter, konzentriert werden. Die gesundheitliche Fürsorge der „OSE" richtet sich vornehmlich auf die Bekämpfung der sozialen Krankheiten und der verbreitetsten Seuchen im Osten. Unter ihnen spielen neben der Tuberkulose und den venerischen Krankheiten der Favus und das Trachom die größte Rolle. Der Favus ist eine wahre Plage der jüdischen Bevölkerung der Ostländer. Die „OSE" hat Röntgenstationen eingerichtet, die mit bestem 267

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