Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 266 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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das vollste Vertrauen des Gestraften besitzt und wenn ich annehme, daß dies nicht der Erzieher ist, dann spreche ich der Anstalt ein verdammendes Urteil. Sollten solche Richtlinien für die in Wolzig zu gründende Anstalt maßgebend werden, so kann es nur mit Sorge erfüllen, wenn man bedenkt, daß man Zöglinge dieser anvertrauen soll. Die Begründer von Wolzig sollten sich darüber klar sein, daß nicht alles Alte schlecht und nicht alles Neue gut ist. Ich bin der letzte, der den Wunsch hat, jungen Kräften die Arbeitsfreude zu verderben. Wir brauchen Nachwuchs und können nicht erwarten, daß die Jungen dieselben Wege gehen wie die Alten. Wer jemals mit jungen Menschen, die für Fürsorgeerziehung reif sind, zu tun hatte, kennt die Schwierigkeit der Behandlung. Ein ewiges Zugreifen nach dem, was sich uns stündig zu entwinden droht, eine Jongleurkunst, von der sich diese jungen Menschen keinen Begriff machen und die man nicht aus Büchern Ier: Die Aufforderungen zu der Anmeldung zur Berufsgenossenschaft werden den Einrichtungen und Anstalten der freien Wohlfahrtspflege demnächst zugehen. Unfälle sind bei der Ortspolizeibehörde (bei Berufskrankheiten beim Versicherungsamt) binnen drei Tagen und bis auf weiteres bei der Berufsgenossenschaft in deren vorläufigen Geschäftsräumen im Wohlfahrtshaus, Berlin N 24, Oranienburger Straße 13/14, anzumelden. („Mitteilungen aus dem Gebiete der Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsfragen", Juli 1929, Nr. 2.) Internationale und außerdeutsche Sozialarbeit Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „OSE". Dir. M. Plato-Köln/ Allgemeine Sozialarbeit Unfallbcrufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst u. Wohlfahrtspflege. Die Berufsgenossenschaft ist am 28. Juni d. J. errichtet worden. In der Gründungsversammlung wurde ein vorläufiger 17gliedriger Vorstand gewählt, der aus neun Vertretern der Ligaverbändc und acht Vertretern der anderen sechs Abteilungen besteht. Zum Vorsitzenden des vorläufigen Vorstandes wurde der Generalsekretär der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege, Dr. G. Vöhringer, zum Schriftführer der Direktor des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, Helmut Lehmann, zum Geschäftsführer der Oberregierungsrat vom Reichsversorgungsgericht Dr. Prahler, gewählt. Die Gesellschaft OSE*) wurde Anfang dieses Jahrhunderts in Petersburg gegründet. Die eigenartigen sozialpolitischen Bedingungen und saht./" nitären Verhältnisse der jüdischen X Bevölkerung in Rußland erheischten gebieterisch die Schaffung einer Zentralstelle für die öffentliche jüdische Gesundheitspflege. Der staatliche und kommunale Gesundheitsdienst war früher in Rußland sehr schwach und schlecht ausgebaut. Die spärlichen sozialmedizinischen Einrichtungen, die von Staats wegen existierten, waren der jüdischen Bevölkerung so gut wie gar nicht zugänglich und im Grunde genommen auch entbehrlich. Denn es darf ohne Ucbertreibung behauptet werden, daß die charitativen Einrichtungen für Gesundheitspflege, die von den Jüdischen Gemeinden oder von öffentlichen jüdischen Organisationen unterhalten und geleitet wurden, vielfach leistungsfähiger waren als die staatlichen Einrichtungen. *) Abbreviatur der russischen Worte: „Obschestwo Sdrawoochranenija Ewrejew" („Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden") 266