Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 259 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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daß die Uebersiedlung der Jungen von Repzin nach Wolzig im Spätherbst, voraussichtlich in den Monaten Oktober—November erfolgen kann. Wir werden über die Entwicklung des Heimes laufend berichten; vorläufig sei nur gesagt, daß die Aussichten für die äußere und innere Gestaltung des neuen Heimes als günstig bezeichnet werden können. Umschau Jüdische Sozialarbeit Ehrenamtliche und berufliche Sozialarbeit. Die Frage des Verhältnisses der ehrenamtlichen zur Berufsarbeit wird in der jüdischen Oeffentlichkeit so stark diskutiert*), daß angesichts dieser Frage die wichtigeren Aufgaben der Vor- und Ausbildung der beruflichen Kräfte verhältnismäßig in den Hintergrund treten. Dabei gehen die Probleme, die z. B. im Juliheft der Arbeiterwohlfahrt behandelt sind, und die auf der Reichstagung der Arbeiterwohlfahrt am 27. und 28. März d. J. in einer Reihe grundlegender Referate dargestellt worden waren, die jüdische Wohlfahrtspflege besonders stark an: Vereinheitlichung der Ausbildung, Gefahr einer allzu spezialisierten und dadurch einseitigen Ausbildung, „Berechtigungswesen", Abgrenzung von „Außen- und Innendienst", akademische Vorbildung für soziale Berufe, Anforderungen an die Ausbildungsstätten usw. In diesen, den sozialen Ausbildungsgang betreffenden Fragen ist in einem gewissen Sinne die Kritik enthalten, die vielfach in jüdischen Kreisen an der Berufsarbeit geübt wird. Nur geht diese Kritik *) Festansprache vou Rabb. Dr. Baeck anläßlich der öffentlichen Kundgebung in Krankfurt a. Main am 12. Mai d. J. — Referat von Frieda Weinreich: „Soziale Arbeit als Beruf" anläßlich der Berliner Jubiläumstagung des Jüdischen Frauenbundes am 4. Juni d. J. — Aussprache Bertha Pappenheim — Prof. Dr. Türk, Blätter des Jüdischen Frauenbundes, V. Jahrgang, Nr. 8, August 1929. von einer anderen Voraussetzung aus, indem sie nämlich keine imanente Kritik übt, sondern die Berufsarbeit vom Standpunkt der ehrenamtlichen aus beurteilt. Da diese Betrachtungsweise sehr stark verbreitet ist und die jüdische Oeffentlichkeit so sehr in Anspruch nimmt, daß sie jene, m. E. viel wichtigeren, die Berufsarbeit unmittelbar angehenden Fragen fast außer Acht läßt, ist es wohl an der Zeit, zu versuchen, den — scheinbar oder wirklich? — tiefen Gegensatz zwischen ehrenamtlicher und Berufsarbeit zu klären. Wir fühlen uns um so mehr dazu verpflichtet, als auf der einen Seite die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden — was auch aus diesen Blättern schon deutlich geworden ist — bei voller Anerkennung der Bedeutung und Unentbehrlichkeit der ehrenamtlichen Arbeit, die Anstellung beruflich vorgebildeter Kräfte stark propagiert und zum Teil auch ermöglicht, während es auf der anderen Seite vielfach als eine große Gefahr für Judentum und jüdische Wohlfahrtspflege hingestellt wird, daß die beruflichen Kräfte die ehrenamtlichen immer mehr „verdrängen". Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, sei vorausgeschickt, daß die jüdische Wohlfahrtspflege, als freie Organisation, in einem tieferen Sinne darauf angewiesen ist und darauf abgestellt sein muß, von privater Initiative getragen zu werden. Denn das ist ja der wesentliche Unterschied und wirkliche Vorzug jeder 259