Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-09-01 · 5 (September-Oktober 1929) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
5 (September-Oktober 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 256 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4794429-4929550-8238435--278-4794701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Möglichkeit zur Belehrung und Beeinflussung der jüdischen Frauen gefunden haben. Wir beabsichtigen deshalb, diesen Arbeitszweig auszubauen und zu spezialisieren. Es ist der Beginn einer Arbeit, die wir vorschlagen auch in anderen Gemeinden im Anschluß an jüdische Tagesheime, Mütterberatungsstellen, usw. aufzunehmen. Als Anleitung zur Einrichtung und Durchführung der Kurse diente uns das Material des Landes-Jugendamtes Berlin. Hertha Neufeld. Ein Vorschlag zur Versorgung familienloser Schulentlassener. Die Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen, im Januar diedes Jahres in Frankfurt a. M., zeigte eine deutliche Unsicherheit in der Frage der Heimversorgung schulentlassener Jugendlicher. Angezweifelt wurde die erziehlich günstige Wirkung der Anstaltsunterbringung dieser Altersklasse aus den verschiedensten Gründen. Vor allem entspreche die notwendige Straffheit des Anstaltsbetriebs nicht mehr der Mentalität des heutigen 14—17jährigen Jugendlichen. Auch die sexuelle Frage gestalte sich zum schwerwiegenden Problem innerhalb einer geschlossenen Heimversorgung. Die mit einer derartigen Unterbringung verbundene Isolierung zeige schließlich ihre nachteiligen Folgen besonders in dieser Altersspanne in einem mangelhaften Einfühlungsvermögen in die praktischen Erfordernisse des Lebens und in einer durch die starke Behütung verursachten Lcbensimtüchtigkeit. Daraus folgerte man eine notwendige Reform des Heimbetriebs für das Jugendlichenaltef, die sich sowohl auf die Anstaltsorganisation als auch auf die Frage der Leitung zu erstrecken habe. Gerade diese Altersklasse bedürfe am dringendsten des Erlebnisses der Familie in all seinen gefährdungshemmenden und richtunggebenden Auswirkungen. Der Familiencharakter einer Heimstätte für Jugendliche sei daher unerläßliche Voraussetzung; er könne betont werden durch Form und Führung des Heimes. Die Form habe in ihren Ausmaßen und Inhalten dem Leben Rechnung zu tragen, in das der Jugendliche durch den Eintritt in seine berufliche Laufbahn gestellt sei. Die Führung vereinige in sich den väterlichen und den mütterlichen Einfluß, denn keine Altersstufe bedürfe so stark dieser Mischung pädagogischer Leistungsmöglichkeiten, als die des heranreifenden Jugendlichen. — Im November letzten Jahres stand auch das israelitische Wohlfahrtsamt Mannheim vor der Frage der Gründung eines Jugendlichenheimes. Das vorhandene Waisenhaus, das nur für die Aufnahme schulpflichtiger Knaben und Mädchen vorgesehen war, bot nur ungenügenden Raum für schulentlassene Zöglinge, die im Anfang ihrer Berufstätigkeit standen. Bei der Einleitung der neuen Maßnahme wurde ganz bewußt von der Gründung einer Anstalt abgesehen. Man zog die Verpflanzung der Jugendlichen in Familienheimstätten einer Anstaltsunterbringung vor. Der Weg zu dieser Heimstätte war folgender: Einem pädagogisch gut geeigneten Ehepaar, das eine große Wohnung innehatte, wurde zunächst eine Anzahl (3) Jugendlicher zugewiesen. Die Wohnungsmiete wurde vom israelitischen Wohlfahrts- und Jugendamt übernommen. Die Jungens erhalten selbstverständlich volle Verpflegung, die sich auf monatlich 80 RM. errechnet. Soweit der Verdienst der Lehrlinge ausreicht, werden die Kosten durch die Jugendlichen selbst bestritten. Ein Taschengeld bleibt ihnen zur freien Verfügung. Die Differenzbeträge gehen zu Lasten des israelitischen Wohlfahrtsamtes, dem diese Familienheimstätte untersteht. 256

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.