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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-09-01 · 5 (September-Oktober 1929) · p. Seite 249

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
5 (September-Oktober 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 249 (sequence 17)
Language
German
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ist, ein Bevölkerungsoptimum anzustreben, oder aber ob wir, im Gegenteil, nicht Anlaß hätten, den Sieg der neomalthusianischen Tendenzen in der jüdischen Bevölkerung nicht als eine Gefahr und Entartung zu betrachten, sondern eher als einen erwünschten, zweckmäßigen Prozeß zu begrüßen, der den Lebensinteressen der jüdischen Geineinschaft förderlich ist und eine Anpassung an den wirklich vorhandenen wirtschaftlichen Spielraum darstellt. Die Analyse des wirtschaftlichen Spielraums des osteuropäischen Judentums gibt uns ein objektives und sicheres Kriterium für die aufgeworfenen Fragen an die Hand. Durch die Anwendung dieses Kriteriums gewinnen wir die einwandfreie Feststellung, daß die Vermehrung des osteuropäischen Judentums heutzutage in krassem Widerspruch zu seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Aussichten steht. An dieser Stelle ist es natürlich nicht angebracht, das reichhaltige statistische Material über dieses Problem anzuführen. Für unsere Zwecke genügt es, eine beschränkte Auswahl von Daten zu sichten, um deu Beweis für unsere Behauptung zu erbringen. Schon die Statistiken der letzten Jahre für Polen*) lassen den ganzen Ernst und die Tragik der Lage erkennen. Sie zeigen, daß sowohl die Natalität als auch die Mortalität der jüdischen Bevölkerung Polens bei weitem nicht in Einklang steht mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Aus den Geburtenziffern, die in den amtlichen Quellen niedriger sind, als es der Wirklichkeit entspricht und deshalb korrigiert werden müssen, erhellt, daß das polnische Judentum in den Jahren 1925—1927 eine Geburtenquote von etwa 22 (in den zentralen) bis etwa 28 (in den östlichen Wojewodschaften) pro Mille durchschnittlich jährlich aufzuweisen hatte. Demgegenüber betrug die Sterblichkeitsquote nur 10 (in den zentralen) bis 13 (in den östlichen Wojewodschaften) auf je 1000 der Bevölkerung. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in Polen bewegt sich somit zwischen 12 und 15 pro Mille. Noch höhere Quoten erreicht der Zuwachs in der Union der Sowjetrepubliken. Er belief sich hier, nach den Daten für das Jahr 1926**), durchschnittlich auf 15 und schwankt in den einzelnen Verbandsstaaten zwischen 10 (in Zentralrußland) und 18,3 (in Bialoruß). Die Geburten erreichen hier eine Quote von 28,3 (in Bialoruß), während die Sterblichkeit mancherorts (in Zentralrußland) auf 8 gesunken ist. *) Rocznik Statystyki Rzeczypospolitej Polskiej za rok 1928.—GlöwnyUrzqd Statystyczny. Warschau 1928. **) Die natürliche Bewegung der Bevölkerung der Sowjet-Union i. J. 1926. — Herausgegeben vom Statistischen Zentralamt der Union. Moskau 1929 (russisch). 249

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