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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-09-01 · 5 (September-Oktober 1929) · p. Seite 250

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
5 (September-Oktober 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 250 (sequence 18)
Language
German
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Ohne Zweifel sind aber die amtlichen Ziffern über die sowjetrussischen jüdischen Geburten niedriger als sie es in Wirklichkeit sind, was von den statistischen Behörden der Sowjetunion ohne weiteres zugegeben wird, mit der Begründung, daß bis heute noch nicht alle Geburten erfaßt werden konnten. Aber darüber hinaus muß noch in Rechnung gestellt werden, daß die Eintragung der Neugeborenen in die Rubrilc der nationalen Zugehörigkeit recht willkürlich erfolgt, so daß sicher eine nicht unbeträchtliche Anzahl neugeborener Kinder jüdischer Eltern der Mehrheitsbevölkerung statistisch zugeteilt werden. Berücksichtigt man diese Tatsache; so darf man auf Grund von Angaben, die wir besitzen, aber hier nicht darlegen können, schließen, daß die Geburtenquote der jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion sich im Zeitraum 1925—27 zwischen 20 und 30, oder 28°/00 im Durchschnitt bewegte, während die Sterblichkeit nicht höher als 10 pro Mille war. Aus dem Studium der Zahlen der natürlichen Bewegung der jüdischen Bevölkerung in den übrigen osteuropäischen Ländern ergibt sich, daß im Durchschnitt die Vermehrungsquote des ganzen osteuropäischen Judentums im behandelten Zeitraum sich auf 13—14°/oo beziffert. Das besagt, daß das ruinierte und entwurzelte osteuropäische Judentum von heute sich eines höheren Zuwachses als kurz vor dem Weltkrieg erfreut***). Die Unzuträglichkeit dieser Verhältnisse wird ins volle Licht gerückt, wenn man die absoluten Zuwachszahlen betrachtet, aus welchen die angeführten Quoten hergeleitet worden sind. Auf dem Gesamtterritorium Osteuropas (Sowjetunion, Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und Estland) setzte sich der Zuwachs aus 80 000 bis 90 000 Juden jährlich zusammen. Die jüdische Bevölkerung dieser Länder, die 1924 etwa 7 000 000 stark war, hat sich im Laufe von fünf Jahren, bis zum Jahre 1928, um rund 400 000 Seelen vermehrt, — ein Zuwachs, der schon in der Vorkriegszeit, bei normalen Verhältnissen, als ungeheuerlich und bedrückend angesehen werden mußte. Die Ursache der gegenwärtigen hohen Vermehrungsquote liegt, wie man aus den Zahlen leicht ersehen kann, in dem äußerst raschen Anwachsen des Abstandes zwischen der Natalitäts- und Mortalitätskurve: während die Kurve der Geburten nur langsam von ihrer Vorkriegslage abwärts sinkt, stürzt die Sterblichkeitskurve dermaßen rasch, daß das verarmte osteuropäische Judentum gegenwärtig eine nicht höhere, vielleicht sogar niedrigere Sterblichkeit aufweist, als ***) Vergleiche: Jakob Lestschinsky — Die Probleme der natürlichen Bevölkerungsbewegung bei den Juden — Sonderabdruck aus der Internationalen Statistischen Zeitschrift „Metron". Padova 1926, Seite 151. 250

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