Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 241 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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schiebbaren Aufgabe für die Rabbiner eines wesentlich: sie müssen selbst den Weg finden, ihre heutige Stellung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft umzugestalten/ Die politische und soziale Entwicklung des letzten Jahrzehnts nachi dem Weltkriege hat in allen Gemeinschaften eine neue Wertung des Menschen zur Folge gehabt und hat die verantwortlichen Führer von Völkern mitten unter diesen Gemeinschaften gestellt. In dem Maße wie es dem Rabbiner gelingen wird, sich selbst als Bruder seiner Gemeindemitglieder in diese Gemeinschaft einzuordnen, mit ihnen ihr schweres Dasein zu leben und seine Arbeit auch als sozialen Dienst an dieser Gemeinschaft aufzufassen, in dem Maße wird es ihm gelingen, wieder mit der Gemeinschaft aufs tiefste verbunden zu sein und an der sozialen Gestaltung dieser Gemeinschaft mitzuwirken. Der Ursprung der Chewra Von Fritz Baer, Berlin Die Chewra Kadischa, die Heilige Bruderschaft der Totengräber (Kabbarim, Kabranim), ist eines der wenigen sozialen Organe des alten Judentums, das sich bis heute lebendig erhalten hat und sich weit über die konservativen Kreise hinaus allgemeinen Ansehens erfreut. Da ihre Wirksamkeit mit den ursprünglichsten Gebieten der Wohlfahrtspflege verknüpft ist, dürfte es die Leser dieser Zeitschrift interessieren, die Frage nach ihrem Ursprung zu verfolgen. Es ist freilich das Schicksal solcher Fragen, daß sie sich nie restlos beantworten lassen. Wenn man die Eigenart der Chewra Kadischa kennen lernen will, muß man zu einem der alten Statuten greifen, die aus der Zeit vor der Emanzipation vorhanden sind und erfreulicherweise jetzt auch gelegentlich dem Druck übergeben werden. Die wesentliche Aufgabe der Mitglieder ist bekanntlich, die jüdischen Toten, welcher Herkunft auch immer, eigenhändig zu reinigen, der Begräbnisstätte zuzuführen und eigenhändig zu begraben. Um sich klar zu machen, welche Hingabe der Dienst erforderte, bedenke man, daß es in früheren Zeiten weniger technische Hilfsmittel und bezahlte Kräfte gab, es dafür aber manchmal nicht weniger weite Entfernungen zu überwinden galt als heute. Denn im Mittelalter hatte nicht jede jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof, und der Transport einer jüdischen Leiche war immer mit Gefahren verbunden. Für den ge- 241