Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 240 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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sozialen Schäden führen können» Es sei hier nur an die Entwicklungen des Geburtenrückganges, der Berufsfragen, der großstädtischen Jugenderziehung und der mangelnden Befriedigung der Luft- und Erholungsbedürfnisse gedacht. Durch die Vertrauensstellung, die der Rabbiner innerhalb der Gemeinden genießt, sollte es ihm stärker als den anderen Mitgliedern der Gemeindeverwaltung möglich sein, hier seinen Einfluß geltend zu machen und auf Grund genauer Kenntnisse der Lebensverhältnisse in seiner Gemeinde alle die sozialpolitischen Maßnahmen fördern zu helfen, die in früheren Zeiten mit den Grundbestand der jüdischen Lehre ausmachten. Daneben tritt gerade an den Rabbiner häufig auch die Forderung nach sozialer individueller Hilfe heran, da er durch die beruflichen Beziehungen zu den einzelnen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit der Kenntnis der Einzelschicksale immer wieder findet und sehr häufig der Wunsch nach seelischer Lösung durch soziale Hilfsmaßnahmen erleichtert werden kann. Die Voraussetzung für die sozialen Aufgaben des Rabbinerstandes beruhen auch heute auf einer unbedingten umfassenden Kenntnis der Lebensverhältnisse der jüdischen Bevölkerung, der Grundlagen der sozialen Gesetzgebung und Organisation und der Kenntnis der modernen psychologischen und physiologischen Arbeitsmethoden. Die Ausbildung des Rabbiners hat bisher auf die Vermittlung dieser Kenntnisse zur Hilfe und Heilung der Gemeindemitglieder vollständig verzichtet. Gelegentliche Anfänge in begrenzter Form sind an einer oder der anderen Ausbildungsanstalt gemacht worden, ohne daß eine tatsächliche Vermittlung des erforderlichen Wissens bisher durchgeführt ist. Der Gedanke des „sozialen Rabbiners" ist zwar als Begriff verschiedentlich aufgetaucht; nirgends jedoch findet sich bisher in einer jüdischen Gemeinde ein Rabbiner, der tatsächlich über die notwendigen sozialen Fachkenntnisse verfügt, um die Idee der sozialen Hilfe in seiner Arbeit zu verwirklichen. Es wäre eine wichtige Aufgabe des Rabbinerverbandes, durch seinen Sozialausschuß einmal ein eingehendes Programm für die Sozialausbildung der Rabbiner aufzustellen und es in Gemeinschaft mit den Sozialbeamten, Aerztcn und Pädagogen durchzuführen. Es würde dem Rabbiner nicht nur eine unendliche Bereicherung seines Arbeitsgebietes erstehen, sondern er würde die Möglichkeit haben, die bevorzugte Stellung, die ihm gegeben ist, in der Weise auf sozialem- Gebiet ausnützen zu können, daß sie wirklich zum Segen der Gemeinde wird. Es würde ihm vielleicht auch gelingen, die Lebensverhältnisse, unter denen die jüdische Bevölkerung der Großstädte unsagbar leidet, zu erleichtern und zu verbessern, um eine freiere und glücklichere Lebensgestaltung zu erzielen. Allerdings ist zur Durchführung dieser wichtigen und unauf- 240