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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-07-01 · 4 (Juli-August 1929) · p. Seite 223

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
4 (Juli-August 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 223 (sequence 45)
Language
German
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stattfand, von den Rabbinern hervorgehoben wurde, daß eine konkrete Stellungnahme zu den einzelnen Vorschlägen vom jüdischen Standpunkt aus nicht ohne weiteres gegeben sei. Es wurde jedoch auch zum Ausdruck gebracht, daß aus der nach jüdischer Auffassung besonders wichtigen Idee der Verantwortlichkeit gefolgert werden könne, es sei jedem Mann zuzumuten, für die Folgen seiner Handlungen einzustehen und zugunsten des Kindes herangezogen zu werden. — Im Adoptionsrecht ist zu den sachlichen Erleichterungen des ersten Rcgierungscnlwui'fes noch die praktisch wichtige Möglichkeit hinzugefügt worden, daß die Einwilligungserklärung der Eltern oder der unehelichen Mutter des Kindes eine namentliche Angabe des Annehmenden nicht zu enthalten braucht. Die viel umstrittene Möglichkeit des ersten Entwurfs, daß das Vormundschaftsgericht bei Minderjährigen das Adoptionsverhältnis aus besonderen Gründen im Interesse des Kindes lösen kann, ist geblieben. Die Bestimmungen über Pflegckindschaft, die dem jetzigen Gesetz fremde Möglichkeit der vertragsmäßigen Übertragung des Personensorgerechts auf bestimmte Zeit, entsprechen im wesentlichen denen des ersten Regierungsentwurfs. Rechtsanwalt Dr. Margarete Berent- Berlin. Karl Plättner, Eros im Zuchthaus. Eine Beleuchtung der Geschlechtsnot der Gefangenen, bearbeitet auf der Grundlage von Eigcnerlebnissen, Beobachtungen und Mitteilungen in achtjähriger Haft. Mit einem Vorwort von Dr. Magnus Hirschfeld, Dr. med. Felix Abraham, Ärzte am Institut für Sexualwissenschaft in Berlin; im Mopr-Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstr. 77/78, 1928. 225 Seiten, Preis: gebunden 6 RM., ungebunden 4,50 RM. Das Buch von Plättner ist ein flammender Protest gegen das Verhalten einer breiten Schicht der Öffentlichkeit in Deutschland, die eine Geschlechtsnot der Gefangenen bewußt ignoriert. Plättner bringt Eigenerlebnisse, Beobachtungen und Mitteilungen so sachlich und mit Beweisen nachdrücklich belegt, daß man an der Berechtigung dieses erschütternden Protestes nicht zweifeln kann. — Beachtlich sind die auf den vorletzten zwei Seiten des Buches aufgestellten 18 Punkte, in denen die wichtigsten Forderungen erhoben werden, die geeignet sein sollen, das Leben der Gefangenen so zu gestalten, daß es den primitivsten und dringendsten psycho-sexuellöh Erfordernissen gerecht wird. Es sollte heute kein Mensch mehr Gefangenenfürsorge treiben, der sich mit diesen Fragen nicht auseinandergesetzt hat. Es handelt sich um nichts Geringeres, als darum, daß der heutige Strafvollzug die Menschen, zumindest unter dem hier behandelten Gesichtspunkt, nicht nur nicht gebessert, sondern gefährdeter und gefährdender als vor der Inhaftierung entläßt. Kr. Sittlichkeitsvergehen an höheren Schulen und ihre disziplinare Behandlung. Gutachten auf Grund amtlichen Materials erstattet von W. H o f f m a n n u. W. S t e r n. Herausgegeben vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Verlag von Quelle und Meyer, Leipzig 1928*). Minister Becker hat sich die Akten der preußischen höheren Knaben- und Mädchenschulen über die in den Jahren 1921—26 disziplinarisch bestraften Sittlichkeitsvergehen eingefordert und sie den beiden bekannten Psychologen William Stern, Hamburg, und W. Hoffmann, Leipzig, zur Begutachtung unterbreitet. Das vorlie- ») Viele Stollen sind wörtlich angeführt, ohne daß sie als Zitate kenntlich gemacht sind. 223

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