Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 4 (Juli-August 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 194 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zum Aufsatz „Das Problem des Internationalen Mädchen- und Frauenhandels" Von Hannah Karminski Die vorstehenden Ausführungen des Herrn Dr. Kreutzberger, die uns kurz vor Redaktionsschluß von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden zur Kenntnis gebracht werden, müssen und werden in einem der nächsten Hefte dieser Zeitschrift eine Erwiderung finden von Seiten der Organisationen, die gegen den Mädchenhandel kämpfen, „den es nicht gibt". In diesem Nachwort soll nur deutlich betont werden, daß die Ansicht des Herrn Dr. Kreutzberger nicht identisch ist mit dem Standpunkt weiter jüdischer Kreise. Ich darf für die Organisation des Jüdischen Frauenbundes erklären: wir wissen, und durch die Enquete des Völkerbundes ist diese Tatsache bestätigt worden, daß es einen Mädchenhandel gibt, ganz gleichgültig, wieviel „Fälle" nach dem Wortlaut des Gesetzes zur Verurteilung kommen. Wir wissen auch, daß Juden an diesem Verbrechen beteiligt sind und fühlen daher die Verpflichtung, uns mit allen Kräften an der Bekämpfung des Mädchenhandels zu beteiligen. Das Wichtigste sind nach unserer Ansicht und Erfahrung prophylaktische Maßnahmen: Beeinflussung der Jugend (der Töchter und der Söhne), Aufklärung über die Gefahren der Prostitution und des Mädchenhandels, Zuführung aller Mädchen zu gelernten Berufen, Aufklärung der öffentlichen Meinung. Wir hoffen, daß die jüdische Vorkämpferin auch auf diesem Gebiet jüdisch-sozialer Arbeit — Bertha Pappenheim — in dieser Zeitschrift das Wort nehmen wird. Bei der Weltkonferenz jüdischer Frauen in Hamburg vom 3. bis 6. Juni, bei der ein Weltbund jüdischer Frauen gegründet wurde, ist einmütig von den jüdischen Frauen aller Länder die Bekämpfung des Mädchenhandels als eine der wichtigsten Aufgaben der jüdischen Frauenverbände anerkannt worden, für die tatkräftige Unterstützung gefordert werden muß; nicht allein als soziale Maßnahme, sondern weil durch die Kette unsittlicher Anschauungen und Tatsachen, die wir unter Mädchenhandel verstehen müssen, Frauenwürde angetastet wird, wie durch kaum etwas anderes. Und darum können gerade wir jüdischen Frauen uns auch der Schlußforderung des Herrn Dr. Kreutzberger nicht anschließen, diese Frage „nüchtern" anzusehen. 194