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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-07-01 · 4 (Juli-August 1929) · p. Seite 187

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
4 (Juli-August 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 187 (sequence 9)
Language
German
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wirtschaftlich-soziale Gegebenheit, mit den gegenwärtigen wirtschaftliehen und sozialen Verhältnissen aufs engste verknüpft. Man kann diese Tatsache bedauern und beklagen — darauf kommt es hier nicht an, aber man muß mit dieser Tatsache, wie mit anderen gegenwärtigen wirtschaftlichen Momenten, die eine Funktion erfüllen, rechnen, will man die Dinge erkennen, wie sie sind, unabhängig davon, wie sie sein sollten. Der „Mädchenhandel" ermöglicht, international betrachtet, eine bessere Verdienstmöglichkeit für die Personen, die jenem Gewerbe obliegen. Selbst eine kürzlich erschienene katholische Publikation10) erkennt an, daß der internationale „Mädchenhandel" diese wirtschaftliche Bedeutung hat. Der internationale Zuhälter (wenn man will: Mädchenhändler) ist der Vermittler dieses Stcllenmarktes. Die eigentümliche soziologische Rolle, die der „Müdchcnhändler" spielt, ist in einer französischen Veröffentlichung in interessanter Weise geschildert worden11). Man ersieht aus diesen Schilderungen, daß er eine durchaus kleinbürgerliche Funktion ausübt, daß sein Ziel „la vie bourgeoise" ist. Man höre die Klage eines Zuhälters über ein Mädchen: „Sie ist verdreht, wenn man sie ohne Aufsicht läßt. Sie säuft und fängt mit den Weibern Krach an und beträgt sich überhaupt nicht anständig!" An einer anderen Stelle berichtet Londres, daß eine Mutter sich beim französischen Konsul beschwerte, dieser das Mädchen vorladen ließ, um ihr die Rückreise zu ermöglichen, das Mädchen jedoch eine lügnerische Darstellung ihrer Situation gab und sich weigerte, sich von ihrem „Mädchenhändler" zu trennen und nach der Heimat zurückzukehren. Eigentümlich ist zuweilen die psychologisch-erotische Verknüpfung zwilu) „Aus dem Material ist zu ersehen, daß der größte Teil der im Ausland angetroffenen landfremden Prostituierten das Gewerbe bereits in ihrem Heimatlande ausgeübt haben, nachdem sie der ersten Verführung erlegen waren. Aus dieser Kategorie von Mädchen läßt sich eine irgendwie entstandene Nachfrage leicht befriedigen, denn die Prostituierten sehen in der Vermittlung des Agenten eine wülkommene Hilfe, um das Feld ihrer Betätigung hin und wieder zu verändern, um sich womöglich finanziell zu verbessern. Diese „Stellenvermittlung" vollzieht sich innerhalb der Landesgrenzen von Bordell zu Bordell oder im Austausch mit ausländischen Bordellen." Alexander de Werth, Die neuesten Forschungsergebnisse über den internationalen Mädchenhandel und die Prostitution, Soziale Tagesfragen, herausgegeben vom Volksverein für das kath. Deutschland, Volksvereins-Verlag G. m. b. H., M.-Gladbach. Heft 53, S. 33, 1928. n) Londres, Chemin de Buenos-Aires (La Traite des Blanches), Michel, Paris 1927. 187

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