Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 170 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238433--184-4794609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rusalem gesprochen wird, führt Elisabeth Rotten in einem sehr schönen Aufsatz in das Palästinaproblem ein. Sie betrachtet die pädagogischen Erneuerungsbestrebungen im Rahmen der Gesainterneuerung, weist die Vor- und Nachteile, die sich für den Gesamtaufbau hieraus ergeben, nach. Der Aufsatz ist deshalb so bedeutungsvoll, weil er auch für Juden Neues über das Palästinaproblem sagt. In das palästinensische Schulwerk in seinem umfassenden Sinn führen dann ausführliche Aufsätze von Siegfried Lehmann über das Kinderdorf Benschemen von Zwi Sohar und anderen ein. Ernst Simon spricht über das Verhältnis der menschlichen Erneuerung zur religiösen Tradition im Lande. Lubs. Pioniere und Helfer Arbeitszirkular der Weltorganisation zionistischer Frauen Das Januarheft, das als Titelblatt den Kopf eines jemenitischen Judenmädchens von Maxa Nordau zeigt, erscheint als „Literarische Sondernummer", die, wie das redaktionelle Vorwort sagt, zum Ziele hat, „mit dem Anteil der Frau an der Idee und kulturellen Entwicklung der zionistischen Bewegung bekannt zu machen". Eine Reihe von Artikeln beschäftigen sich mit der ideellen und materiellen Lage der Frau innerhalb Palästinas. Gerda ArlosorolT-Goldberg weist in ihren „Perspektiven der palästinensischen Frauenbewcwegung" auf deren Besonderheiten gegenüber der in andern Ländern sich vollziehenden hin. Einmal ist es die, daß die allgemeinen Aufgaben des Aufbaues den speziellen Tendenzen der Frauenbewegung bewußt übergeordnet werden. Die Kampfcinstellung dem Manne gegenüber erübrigte sich im Zionismus, wo die Frau von Anfang an als gleichberechtigte Mitarbeiterin an der Entwicklung der Bewegung teilhatte. Zum zweiten bestimmt der Zustand der Kolonisation diese sachliche Einstellung, die man wohl als Zeichen eines sehr vorgeschrittenen Stadiums der Frauenbewegung werten kann. Daneben besteht aber der patriarchalische Zustand der arabischen und orthodoxen Frauen, die noch um die allerersten Anfänge einer Emanzipation zu kämpfen haben werden. Bei diesem in wenigen Jahren sicher bevorstehenden Kampfe wird eine selbstverständliche Solidarität zwischen zionistischen und arabischen Frauen entstehen, die für das Verhältnis zwischen beiden Volksteilen von wesentlicher Bedeutung sein kann. Ada Fishmann gibt eine interessante Probe aus ihrem demnächst in hebräischer Sprache erscheinenden Buche „Die Arbeilerinnenbewegung in Erez Israel", einer geschichtlichen Darstellung dieser Bewegung. Dr. Henriette Rappaport stellt die psychologischen Grundlagen der jüdischen Mädchenbewegung dar, die eine Grenzsetzung nach zwei Seiten ist: das jüdische Mädchen will unabhängig vom Manne und unabhängig von der Frau sein eigenes Selbst gewinnen. Im Mittelpunkt der literarischen Beiträge steht ein Aufsatz von Ruber: „Weisheit und Tat der Frau", in dem Episodengestalten der Davidsgeschichte zu dichterischer Deutung gelangen. Eine Würdigung des Werkes von Scholem Alejchem „Tewje und seine Töchter" durch Dr. Martha Ilofmann, Gedichte von Irma Singer, Elischcwa und Sch. Halkin sind mitbestimmend für das bemerkenswerte Niveau der Nummer. In Aufsätzen von Edith Edcr, F. Rabinowitz-Kook, R. Seidemann, Dr. Aurelie Gottlieb, Werner Rosolio und Martha Hofmann werden aktuelle, politische und kulturelle Fragen des zionistischen und allgemein jüdischen Lebens besprochen und dadurch eine große Vielseitigkeit der Anregung und Belehrung erreicht. Elfride Bergel. 170