Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 169 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beteiligung gegenüber und sucht nicht nur tatsachenmäßig festzustellen, was vorhanden ist. Auf der anderen Seite verheimlicht es keineswegs die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten, die dem Werke heute noch anhalten. Im ersten Teil, der der zionistischen Idee gewidmet ist, wird kurz der Stand der zionistischen Ideologie im jetzigen Moment wiedergegeben. Gerade hier ist, vielleicht durch die Knappheit der Darstellung, das Buch am wenigsten befriedigend. Der Hauptteil ist dem Lande Palästina vorbehalten. Zunächst wird über das Land, seine Bevölkerung und seine Rechtsverhältnisse berichtet. Gerade die Darstellung der Rechtsverhältnisse ist besonders instruktiv und gelungen. Sodann werden die einzelnen Zweige des jüdischen Kolonisationswerkes, landwirtschaftliche und städtische Kolonisation, Industrie, Handel und Verkehr behandelt. Ueberall wird erstmalig das systematisch zusammengestellt, was bisher in Zeitungsaufsätzen, Berichten der zionistischen Instanzen und Reisebüchern über Palästina gesagt worden ist. Der zahlenmäßige Umfang der einzelnen Gebiete wird durch reiches statistisches Material veranschaulicht. Für den Wohlfahrtspfleger und Sozialpolitiker sind besonders diejenigen; Abschnitte interessant, die sich mit der Berufsumschichtung beschäftigen, die die Landwirtschaft als Fundament des jüdischen Aufbaus darstellen. Hier erweist sich die Fruchtbarkeit des Landes für die Entstehung neuer gesellschaftlicher und menschlicher Formen. Die eigentliche Wohlfahrtspflege, deren Ansätze in Palästina bereits vorhanden sind, kommt in dem Buche sehr knapp weg. Es wird wohl von dem neuen Gesundheitswesen der „Hadassah" und der Arbeiterschaft gesprochen, die Anfänge offener Fürsorge sind dagegen nicht erwähnt. Eine besondere Rolle spielen die Kindergärten und Schulen. Die Kindergärten haben über die soziale Funktion hinaus eine nationale, indem hier das Kind die hebräische Sprache erlernt, deren seine Kitern keineswegs immer mächtig sind. Die Schulen sind ganz und gar einbezogen in den Aufbaucharakter des Landes: das Moment der Arbeit und der Verbundenheit mit dem Boden, die Schaffung eines neuen Heimatgefühles geben ihnen ihre Beschwingtheit. Dies gilt besonders für die Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen (Kwuzoth), in denen die Kinder den ganzen Tag über und teilweise auch nachts von ihren in der Wirtschaft beschäftigten Eltern getrennt sind. Die Einrichtungen für diese Kinder sind aber alles andere als Waisenhäuser, sie sind vielmehr Arbeitsgemeinschaften der Jugend in dem Gesamtprozeß des Aufbaus. Das Buch ist für eine erste Information über Palästina sehr geeignet. Trotz seines gar nicht so geringen Umfanges (180 Seiten) ist aber darin bei weitem nicht alles Wissenswerte über den Palästinaaufbau gesagt. Das ist wohl aber nicht Schuld des Verfassers, sondern in der schon jetzt bestehenden Größe des Palästinaaufbaucs begründet. Lubs. Im Anschluß hieran sei auf die besonders gut gelungene Februar- Nummer der von Wilkcr und Rotten herausgegebenen Zeitschrift „Das werdende Zeitalter" hingewiesen. Palästinanummer des „Werdenden Zeitalter" „Das werdende Zeitalter", herausgegeben von Elisabeth Rotten und Karl Wilker, Kohlgraben bei Vacha n. d. Röhn, Februar 1929. Nach einer auszugsweisen Wiedergabe des von Martin Buber auf der Konferenz der Liga für das arbeitende Palästina in Berlin gehaltenen Rede, in der über Moskau und Je- 169