Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 166 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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Kinderanstalten regelmäßig ärztlich überwacht werden, während dies nach dem Ergebnis unserer Umfrage nur bei etwas mehr als der Hälfte der Anstalten der Fall ist. Wenn auch die Schulkinder der schulärztlichen Kontrolle unterstchen, so bieten die in sozialhygienischer Fürsorge befindlichen Kinder doch noch besondere Aufgaben für eine intensivere ärztliche Ueberwachung. Gerade Anstaltskinder stammen in den meisten Fällen aus einem ungünstigen sozialen Milieu, sind besonders gefährdet und bedürfen daher individueller gesundheitlicher Fürsorge. In noch weit größerem Maße gilt dies von den Pfleglingen der Kindergärten und Horte, die nur tagsüber beireut werden, jedoch des Nachts und an den freien Tagen häufig dem schlimmsten Wohnungselend ausgesetzt sind. Insbesondere sollte man die Kleinkinder in den Kindergärten, denen ja nicht einmal die schulärztliche Fürsorge zuteil wird, regelmäßig ärztlich überwachen, denn nur auf diese Weise können rechtzeitig Infektionen, Krankheiten und gesundheitliche Schäden verhütet und bekämpft werden. 3. Wenig befriedigt auch das Ergebnis, daß nicht einmal alle Erholungsheime, in die doch die ganz besonders zarten und elenden Kinder und leidenden Erwachsenen verschickt werden, regelmäßig ärztlich überwacht werden. Das Zuziehen des Arztes erst bei sichtbarer Erkrankung ist ein nicht genügender Notbehelf, der durch eine regelmäßige Ueberwachung in gesunden Tagen ergänzt werden sollte. Wir würden es begrüßen, wenn das Ergebnis unserer Umfrage diejenigen Anstalten und Einrichtungen, die bisher ihren Pfleglingen eine regelmäßige ärztliche Aufsicht noch nicht zuteil werden lassen, bestimmen würde, diesem offensichtlichen Mangel so schnell wie möglich abzuhelfen. Weinreich. Israelitisches Altersheim Liegnitz. E. V. Das Altersheim ist Ende 1928 in einer Etage des eigenen Hauses vorläufig für sechs Pfleglinge eingerichtet worden. Aufgenommen werden jüdische Männer und Frauen, hauptsächlich aus der Gemeinde Liegnitz und der Provinz Niederschlesien. Eine Altersgrenze ist nicht festgesetzt. Aufnahmegebühren und Verpflegungskosten in jedem Falle nach Vereinbarung. Die Aufnahmegesuche sind an den Vorsitzenden des Altersheims, Herrn Rabbiner Dr. Pcritz, Liegnitz, Wilhelmsplatz 6, zu richten. Mädchenhaus Pankow. E. V. Das Mädchenhaus Pankow ist am 1. April dieses Jahres in ein neues Heim nach Potsdam verlegt worden. Das Mädehenheim ist an ein Kinderheim mit 30 Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren angegliedert. Es gibt somit zehn jungen Mädchen von 14 bis 18 Jahren, die zum mindesten eine abgeschlossene Volksschulbildung haben sollen, unter Anleitung hierfür vorgebildeter Lehrkräfte, Gelegenheit zu praktischer Arbeit in allen Zweigen des Haushalts, im Nähen, in der Pflege und Beschäftigung der Kinder. Durch theoretischen Unterricht werden die in der Praxis erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen gefestigt und vertieft. In ein- bis zweijährigen Lehrgängen erhalten so die Schülerinnen die geeignete Ausbildung 1. zum Beruf der Hausfrau, 2. zum Beruf der Ilausbcamtin für Familien und größere Betriebe, 3. die vorgeschriebene Grundlage für den späteren Besuch der hauswirtschaftlichen, pädagogischen und sozialen Schulen und Seminare. Soweit es sich mit den vielfachen Pflichten im Hause vereinen läßt, sollen Gymnastik, Gesang, Wandern 166