Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 158 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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halb eine besondere Aktion bevor, die sich an die Gemeinden, an alle Wohlfahrtsorganisationen und an besonders interessierte Einzelpersönlichkciten in ganz Deutschland wenden wird, damit alles aufgeboten wird, um das gegenwärtig bedeutsamste und verantwortlichste Werk jüdischer Jugendfürsorgearbeit unter allen Umständen gelingen zu lassen. F. 0. Aus der praktischen Arbeit Arbeit an schulentlassenen Mädchen Die jüdische Wohlfahrtspflege sollte viel mehr als es bisher geschieht, Gebiete für ihre Arbeit suchen, welche von anderer Seite wenig oder gar nicht bearbeitet werden. Staat, Provinzen und Städte sorgen fast überall gut für das Schulkind, sei es für das elternlose, sei es für das zu verwahrlosen drohende oder das gesundheitlich gefährdete; überall sind Stellen, an die man sich wenden kann und in fast allen Fällen kann geholfen werden. Aber leider hört fast jede Fürsorge mit dem Tage der Schulentlassung auf, in einigen Füllen gelingt es, Waisenämter und Landeshauptleute zu veranlassen, für die ihrer Fürsorge anvertrauten Kinder noch ein Jahr der Berufsausbildung zu gewähren. Aber schon hier stoßen wir auf mancherlei Schwierigkeiten. Wie schwer es dann ist, Kinder, die bis zum 14. Lebensjahre in einem Waisenhause oder sonstigen Heim untergebracht waren, ohne weitere Ausbildung in Stellungen unterzubringen, das weiß wohl jeder in der Wohlfahrtspflege Arbeitende. Jedoch noch schwieriger erscheint mir die Unterbringung der aus dem 5., 6. oder 7. Schuljahr, oder aus Hilfsschulen entlassenen Jugendlichen. Das gleiche, was ich für die Mädchen sage, gilt natürlich auch für die Knaben. Die jungen Menschen, man kann sie ruhig noch Kinder nennen, sind bei ihrer Entlassung körperlich und geistig ineist so schwach, daß es unmöglich ist, ihnen Stellungen zu vermitteln; gelingt es wirklich einmal, ein solches Mädchen unterzubringen, so wird es bestimmt nach wenigen Wochen als untauglich wieder entlassen. Diese Mädchen stellen dann später das Heer der Fürsorgezöglingc. Körperlich und geistig schwach, sind sie natürlich allen Einflüssen zugänglich, es dauert nicht allzu lange und sie liegen der Wohlfahrt zur Last. Für diese Mädchen braucht man keine Heime, in denen sie untergebracht werden, es genügen vollkommen gut geleitete Tagesheime, in denen diese Mädchen körperlieh und seelisch gefestigt werden. Wir haben in Köln im vergangenen Jahre zu Ostern einen Versuch mit einem derartigen Heim gemacht und ich kann sagen, daß wir mit diesem sehr primitiven Anfang ganz gute Erfahrungen gemacht haben. Es war natürlich nicht so leicht, ohne jedes Vorbild etwas derartiges zu schallen. Im Anfang waren unsere Ansprüche, die wir an die Mädchen stellten, viel zu hoch. Wir kamen mit einem festen Stundenplan, Ilauswirtschaftslehrc, Ernährungskunde usw., aber wir sahen sehr bald ein, daß diese Mädchen viel einfacher angefaßt werden müssen. Vor allen Dingen müssen sie körperlich gekräftigt werden; man kann sich kaum vorstellen, wie schwach diese 14jährigen Mädchen sind. Man muß ferner versuchen, Einfluß auf ihr Seelenleben zu gewinnen, um so allmählich erst Menschen aus ihnen zu machen, mit 158