Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 157 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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daß diese Zusammenhänge — unbeschadet der vollen Selbständigkeit aller in Frage kommenden Stellen — eine stärkere Zusammenarbeit bedingen. Sodann erfolgte eine eingehende Aussprache über die Frage des Miidchc n h a n d c I s. Im Anschluß an ausführliche Berichte von Dr. Max Kreutzberger und Hanna Karminski die wir in einer der nächsten Nummern der Zeitschrift veröffentlichen werden kam man für die praktische Arbeit dahin übercin, daß die in ihrem Umfang vielfach weit überschätzte rechtliche Seite des Mädchenhandels stark zurücktritt hinter der allerdings außerordentlich bedeutsamen, aktiven und vorbeugenden gemeinsamen Arbeit auf dem Gebiet des internationalen Mädchen- und Frauenschutzes. Im Zusammenhang mit der sachlichen Erörterung wurden auch organisatorische Fragen behandelt. Auf dem Gebiet der besonderen Fürsorge für s c h w e r e r z i e hb a r e Kinder u n d J u g c n d - liehe konnten als Frgebnis der früheren Aussprachen und im Anschluß an zusammenfassende Berichte von Dr. Hermann Stahl und Frau Paula ülleiulorff „Richtlinien für die ärztlich-pädagogische Hilfe für jüdische erziehungsschwierige Kinder" aufgestellt werden, die in einer der nächsten Nummern veröffentlicht werden. Gleichzeitig wurde wiederholt auf die Bedeutung des neu begründeten Jüdischen Heiler /. i c h u n g s h e i m in Marburg hingewiesen und beschlossen, an alle Gemeinden, Wohlfahrtsstellen und Organisationen das dringende Ersuchen zu richten, ihr besonderes Augenmerk auf die Uebcrweisung geeigneter Fälle nach Marburg zu richten. Schließlich wurde in mehreren Besprechungen über den Stand der Reformarbeifen auf dem Gebiet der ,j ü d i s c h e n F ü rsorgeer Ziehung berichtet. Die praktische Durchführung der Reformarbeiten liegt seit Anfang dieses Jahres in den Händen eines vom Kuratorium für die Fürsorgeerziehung beim Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gewählten und von dem Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bestätigten Arbeitsausschusses, in dem, außer dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der Jüdische Frauenbund, der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, das Wohlfahrts- und Jugendamt der jüdischen Gemeinde Berlin durch ihnen angehörende Persönlichkeitenmitarbeiten. Seit dem 1. April d.J. ist Frl. Dr. Hanna Eisfelder als Referentin für das Gebiet der Fürsorgeerziehung beim Deutsch-Israelitischen Gemeindehund tätig. Für die sachliche Durchführung der Reformarbeiten, insbesondere soweit es sich um Fürsorgcerziehungsheime handelt, verweisen wir auf die in dieser Nummer veröffentlichte Denkschrift (s. S. 136), die auch Gegenstand der Besprechung in der Arbeitsgemeinschaft war. Der Bau des neuen Erziehungsheims in Wolzig bei Königswusterhausen ist vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund sofort nach Beendigung der Kälteperiode fortgesetzt worden, und es besteht volle Aussicht, daß es bis Ende des Jahres bezogen werden kann. Die Stelle des Direktors des neuen Heims ist für den 1. Oktober d. J. ausgeschrieben worden (siehe die Anzeige auf S. 180 dieser Nummer). Die Arbeitsgemeinschaft teilte einmütig die Auffassung, daß die Durchführung der nunmehr in ihren Grundzügen feststehenden Gesamtreform entscheidend davon abhängig ist, daß die dazu notwendigen Mittel vom deutschen Judentum baldigst bereitgestellt werden. Erfreulicherweise sind dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund Mittel durch die Landesverbände zur Verfügung bzw. in sichere Aussicht gestellt worden. Sie reichen indes bei weitem nicht aus. Es steht des- 157