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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-05-01 · 3 (Mai-Juni 1929) · p. Seite 149

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
3 (Mai-Juni 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 149 (sequence 27)
Language
German
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Daß die jüdische Wanderjugend in ihren verschiedenen Lagern in einem systematischen Sinne Musik treibt, ist mir nicht bekannt. Wohl wird, je nach Tendenz, mehr das jüdische oder das deutsche Volkslied bei Wanderungen gesungen. Eine Musikpflege im obigen Sinne, wie sie in Deutschland durch Jugendführer von der Bedeutung eines Fritz Joedc oder Walter Hensel auf ein ernsthaftes und für die Zukunft entscheidendes Niveau gebracht worden ist, muß für die Juden, die an der deutschen musikalischen Jugendbewegung herzlich geringen Anteil haben, erst geschaffen werden. Das erfordert jedoch Führerpersönlichkeiten, die Musiker und Musikpädagogen im neuen Sinne sein müssen. Vorurteilslose Pflege jüdischen und deutschen Liedguts wird die Grundbedingung für die Schaffung des eigentlich neuen und eigenen Liedbestandes sein. Vielleicht aber ist dieser Wunsch erst ins Auge zu fassen, wenn die Schule andere Vorarbeit' leistet. Vielleicht auch sind die jüdischen Wandervögel noch zu sehr in politischen und religiösen Kämpfen befangen, um diesen Kunstfragen schon geöffnet zu sein. Um so wichtiger, daß hier durch den Schulmusikunterricht für den nötigen Ausgleich gesorgt wird. Hierzu zunächst wieder Proben aus der erwähnten Denkschrift: „So frei und natürlich sich die Jugend in ihren Verbänden entfaltet, so eng wird der Raum, sobald die Schule die Erziehungsarbeit übernimmt. Auch hier klafft der Riß zwischen altgewohnter Lehrform und neuen Ideen, zwischen Liedersingen und Wecken der Produktivität, zwischen musikalischem Lernen und musikalischem Verstehen und Fühlen. Was die Schule versäumt, holt keine Zeit mehr ein .... Die Musik wird nur als Nebenfach bewertet, die ethischen Wirkungen des Faches meist übersehen." „Wenn nicht eine Erneuerung des gesamten Musikwesens eingeleitet und durchgeführt wird, so sind die Grundlagen unserer Musikkultur erschüttert." „.... es müssen Wege und Ziele vorgezeiehnet und erkannt werden, es muß der Boden gesichert werden, auf dem sich alle Zweige musikalischer Betätigung frei entfalten können. Dieser Grund und Boden liegt zu einem großen Teil in der Schulmusik." „Aus den pädagogischen Forderungen unserer Zeit wächst zugleich die Notwendigkeit, den gemütbildenden Fächern größere Bedeutung als bisher beizumessen. Daß die Musik zu diesen Aufgaben an erster Stelle berufen ist, wird 149

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