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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-05-01 · 3 (Mai-Juni 1929) · p. Seite 148

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
3 (Mai-Juni 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 148 (sequence 26)
Language
German
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unbekümmert um den Nächsten, jeder glaubte im festen Besitz einer Tradition das Schicksal der deutschen Musik gesichert. In der Zeit nach dem Kriege hat die Not unseres Vaterlandes der Musik neue Gefahren gebracht. Alte überlieferte Gesetze sind ins Wanken geraten, öffentliche und private Musikpflege, Schaffende und Ausübende, Lehrende und Lernende haben jene feste Sicherung verloren, die ihnen früher Konzert- und Musikleben, Unterrichts- und Erziehungswesen gaben. Schon mehren sich Stimmen, die vom Untergang unserer Kultur sprechen und die Weltkrise auch in die Musik hineintragen. Es ist eine Unsicherheit über uns gekommen, die sich auf allen Gebieten der Tonkunst spiegelt: in der Absonderung von Gruppen und Grüppchen unter den Schaffenden, in der heftigen Fehde zwischen rechts und links der musikalischen Parteien, in der Spaltung zwischen traditionstreuen und den Umsturz herbeisehnenden Richtungen." Zu dem letzten Satz sei daran erinnert, daß infolge des allgemeinen Niedergangs auch die Kunst in Deutschland von den politischen Strömungen erfaßt ist, so daß schlechthin von Kunstpolitik bzw. Musikpolitik zu sprechen ist. Nur so erklärt es sich, daß überhaupt ein Staat in Musikverhältnisse eingreifen kann und muß. Bezüglich der erwähnten Gruppen- und Grüppchenbildungen kann ja leider nicht behauptet werden, daß es bei den Juden damit besser bestellt sei. Das Musikleben der Juden aber kann hiervon noch nicht berührt sein, und das sollte ausgenutzt werden zu unbekümmertem Aufbau und zur Schaffung einer Einheitsbasis, auf der sich die heterogenen Elemente zusammenfinden. In der folgenden Betrachtung wird der Vergleich mit den Juden etwas problematisch: „Diese Spaltung von Richtungen und Interessen, von Anschauungen und Lebensgewohnheiten findet ihre Grenzen in der Jugendbewegung. Die Jugend sucht den Kern deutscher Kultur lebendig zu machen----Die Wandervogelbewegung und die musikalischen Gilden streben erneut zum Schöpferischen in Natur- und Kunstleben, sie wenden sich ab von der überfeinerten Wohlstandskultur der früheren Zeit, erneuern das Volkslied, schaffen eigene Dichtungen und Weisen und bauen an einem eigenen neuen Musikgefühl und Musikleben. Im einzelnen sind auch hier die Wege verschieden, nach rechts und links auseinanderlaufend, aber gemeinsam ist allen die Freude am Singen und Musizieren und die Erneuerung unserer Kultur im Geiste der deutschen Musik." 148

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