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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-05-01 · 3 (Mai-Juni 1929) · p. Seite 147

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
3 (Mai-Juni 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 147 (sequence 25)
Language
German
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erlassen angeführt. Sie sind von dem Gesichtspunkt aus zu lesen, daß es in Deutsehland eine ganze Reihe jüdischer Volks-, Mittelschulen und höherer Lehranstalten gibt; daß ferner eine große Zahl Juden als ausübende Künstler oder Schul- bzw. Privatmusiklehrer vor die Aufgabe musikpädagogischer Beeinflussung der jüdischen Jugend gestellt ist. Was der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Gesundung des deutschen Volkes als notwendig erachtet, scheint sich durchaus auf jüdische Verhältnisse übertragen zu lassen. Der Umstand, daß Deutschland eine musikalische Tradition hat, die den Juden fehlt, ist dabei weniger entscheidend als die Tatsache, daß musikalische Erziehung im Sinne einer Aufbauarbeit angestrebt wird. Belege für die kulturellen Gesichtspunkte, die einer Denkschrift vom 25. April 19231) vorausgehen, führe ich im Auszug an: „Jede Zeit hat in ihrer Kunst, besonders aber in ihrer Musik, die Erfüllung eigener Anschauungen und Erlebnisse gefunden." „Wir können nicht auf historische Epochen zurückgreifen oder alte Traditionen auf unsere Tage übertragen, ohne zu einer Bindung mit dem Leben und Wirken unserer Zeit zu gelangen. Jede Arbeit auf musikalischem Boden muß Wurzeln in unserer politischen und ökonomischen Gegenwart fassen, muß aus der veränderten Lebensführung, aus keimenden Trieben, der musikalischen Bewegung unserer Zeit die Grundlagen eines umfassenden Musiklebens gestalten." „Musik---- trägt die eigentliche Bildung und Prägung des Volkscharakters." „Wir hatten bis zum Kriege ein Konzertleben, das den Gebildeten wie den Musikfreunden und Liebhabern ältere und neuere Musik vermittelte und mit allen Vertretern der reproduktiven Kunstübung bekannt machte, wir hatten Sängervereine, Chöre und Liebhabervereinigungen, die ihre Sonderliteratur pflegten, wir hatten Musikschulen, Konservatorien und Hochschulen, die im Geiste dieser Musikübung arbeiteten, wir hatten eine Schulmusik, die zu einer Beherrschung des Singens nach Noten und zu einem brauchbaren Liedergut erziehen sollte. Jeder ging seiner Neigung nach, J) „Schulmusik in Preußen", Amtliche Bestimmungen für höhere Schulen, Mittelschulen und Volksschulen, herausgeg. von Prof. Leo Kestenberg, Referent im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Berlin 1927. Weidmannsche Buchhandlung. 147

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