Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 145 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die vorstehend gemachten Vorschläge für eine Reform der jüdischen F. E. haben zwei Gesichtspunkte absichtlich außer Betracht gelassen: die finanzielle Frage und die Persönlichkeit des Erziehers. Die erste Frage wurde nicht berücksichtigt, weil zuverlässige zahlenmäßige Unterlagen hierfür nicht zur Verfügung standen. Doch ist anzunehmen, daß die Verwirklichung der hier gemachten Vorschläge kaum eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung mit sich bringen würde. Das Schicksal jeder Reform der Fürsorgeerziehung wird bestimmt durch die Menschen, die diese Rel'ormarbeit zu verwirklichen haben. Für den Stand der praktischen Arbeiten in der Umgestaltung der jüdischen F. F. verweisen wir auf den liericlil über die Arbeitsgemeinschaft „.Indische (lefährdcicnfursorge" (Seite 157 dieses Heftes). Die Schriftlcitung Deutsche Musikerziehung und ihre sozialpädagogische Bedeutung für die Juden Von Dr. Grete Reichmann. Das Schicksal des deutschen Volkes seit dem Weltkrieg hat oft Veranlassung gegeben zu Vergleichen mit dem Schicksal der Juden seit der Zerstreuung. Aus solchen Gründen läßt sich auch von dem Wicderauferstehungswillen der Deutschen manche Parallele zu entsprechenden Bestrebungen im Judentum ziehen. Ohne den Vergleich näher ausführen zu wollen, der vor manchen Abgrund führen müßte, sei an dieser Stelle einer deutschen Leistung gedacht, die objektiv wertvoll ist und, weil aus verwandten Voraussetzungen erwachsen, beachtenswerteste Anregung für das Judentum bedeutet. Vorbildlich ist Deutschland in seinem Bestreben, dem allgemeinen Niedergang durch verstärkte kulturelle Aufbauarbeit zu steuern. Deutschland ist berechtigt, auf altes Kulturgut zu pochen; es ist verpflichtet, dies Gut in Erinnerung zu bringen, in ihm den Boden zu sehen, auf dem gepflanzt werden kann. Die weit älteren Kulturgüter, die das jüdische Volk in die Wagschale zu werfen hat, sind Bibel und Talmud, nicht aber Kunstdenkmäler. Hier liegt der eingreifende Unterschied: Deutschland hat eine künstlerische Vergangenheit. Das Suchen nach einer jüdisch-natio- 145