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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-05-01 · 3 (Mai-Juni 1929) · p. Seite 144

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
3 (Mai-Juni 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 144 (sequence 22)
Language
German
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kümmern. Anschluß an Jugendbünde ist erwünscht. Vor allem müssen aber für jeden Jugendlichen Heller gefunden werden, die eine Art Schutzaufsicht über ihn führen. VIII. Vorbildung und soziale Stellung des Erziehers. a) Verhältnis der Zahl der Zöglinge zur Zahl der Erzieher. Unter Einrechnung des gesamten Personals, also auch der Handwerksmeister, weisen die städtischen Anstalten ein Verhältnis von 1 :7 in bezug auf die Zahl der Erzieher und der Zöglinge auf. Diese Zahl erseheint angemessen. Auf die familienmäßige Gliederung der Jugendlichen ist besonderer Wert zu legen. b) Die Vorbildung des jüdischen Erziehers ist nach zwei Richtungen wichtig: eine allgemeine pädagogische und eine besondere jüdische. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich mit der F. E. befassen (Gregor Vogtländer, Erich Stern, Bernfeld, Bondi usw.) kommen zu dem Ergebnis, daß der Erfolg der F. E. wesentlich von einer heilpädagogischen Behandlung der Jugendlichen abhängt. Darum ist neben einer allgemein pädagogischen oder fürsorgerischen Ausbildung auch eine heilpädagogische Vorbildung (Kenntnis und Anwendung der Psychoanalyse, der Individualpsychologie, oder einer anderen psychologisch-pädagogischen Methode) für den Erzieher unbedingt zu fordern. Man erkennt immer mehr, daß die Verwahrlosung auf eine tiefe seelische Veränderung zurückzuführen ist, die nur durch eine ihr gemäße seelische Behandlung günstig beeinflußt werden kann. Unerläßlich ist, daß jeder verantwortliche Erzieher eine Ausbildung mit Anstaltspraxis durchmacht. Die Arbeitszeit des Erziehers muß so geregelt sein, daß er Möglichkeiten zur Fortbildung und Anregung weitgehend wahrnehmen kann (Teilnahme an Kursen, Fachliteratur, Zusammensein mit sozial und religiös interessierten Menschen). — Der jüdische Erzieher muß über einen Fonds jüdischen Wissens verfügen, ohne daß ihm eine bestimmte politische oder religiöse Weltanschauung vorzuschreiben ist. Darüber hinaus muß er eine genaue Kenntnis der sozialen Verhältnisse, aus der die Jugendlichen stammen, im allgemeinen und im besonderen besitzen. Der Kontakt der Erzieher untereinander, der Austausch ihrer Erfahrungen, die notwendige gegenseitige Anregung und die Erreichung einer einheitlichen pädagogischen Atmosphäre im Heim kann durch regelmäßige Erzicherkonferenzen weitgehend erreicht werden. Allen Mitarbeitern der Anstalt muß durch auskömmliches Gehalt und genügende Freizeit die Arbeitsfreudigkeit erhalten werden. c) Austausch-der Erzieher. Es ist davon auszugehen, daß die Arbeit in der geschlossenen Anstalt einen noch stärkeren Einsatz der Kräfte erfordert als die Arbeit in der offenen Fürsorge. Andererseits bedeutet das Anstaltsleben für den Erzieher eine Abgeschlossenheit, die auf die Dauer nachteilig wirken muß. Es ist daher, von Ausnahmen abgesehen, ein Austausch der Erzieher mit den Kräften der offenen Fürsorge nach Ablauf einiger Jahre anzustreben. — 144

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