Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 141 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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h) Lektüre. Neben Tageszeitungen verschiedener Richtung müssen u. a. Bücher künstlerischen, philosophischen und naturwirtschaftlichen Inhalts vorhanden sein, die außer dem Zwecke der reinen Unterhaltung auch der politischen und fachlichen Forfcbildung dienen. Die Lektüre des jüdischen Buches ist besonders zu fördern. Es soll erlaubt werden, daß Bücher u. U. auch in den /immern und nicht nur an bestimmten Tagen, sondern in jeder Freizeit gelesen werden können. Die Bücherei soll von den Jugendlichen selbst verwaltet werden. i) Heimabende, Musik und Kunst. Ein wichtiger Erziehungsi'aktor ist die Entwicklung des Gemütslebens der Jugendlichen. Diese wird, außer durch die bereits geschilderten persönlichen Aussprachen, religiösen Feiern und Feste, auch durch die Abhaltung regelmäßiger Heimabende anzustreben sein. In bezug auf die Auswahl der Stoffe ist bei den Heimabenden immer von der konkreten Situation der Jugendlichen auszugehen. Erst von da aus ist die Verbindung mit anderen Gegenständen herzustellen. Die systematische Pflege der Musik, insbesondere durch die Schaffung einer gewissen Kultur des gemeinschaftlichen Singens, aber auch einer Einführung in das Erleben von Schöpfungen der Kunst ist anzustreben. k) Sport, Gymnastik, Ausflüge. Alle Anstalten berichten übereinstimmend von der starken pädagogischen Wirkung von Sport und Gymnastik. Außer der Verbesserung des physischen Wohlbefindens der Jugendlichen, der Erleichterung der Disziplinierung, helfen sie mit, Spannungen zu lösen. Es ist zu fordern, daß eine bestimmte Zeit jedes Tages, besonders auch morgens, für Sport und Gymnastik vorbehalten bleibt. Ausflüge der Jugendlichen unter Begleitung der Erzieher in kleinen Gruppen sind als wichtiges Mittel zur Gewöhnung an die Freiheit und Vermittlung des Naturerlebnisses, sobald als irgendmöglich regelmäßig vorzusehen. 1) Kleidung. Um die Bildung von Minderwertigkeitsgefühlen bei den Jugendlichen zu verringern, ist jede Art von Kleidung, die den Jugendlichen als „Fürsorgezögling" abstempelt, zu vermeiden. Der Sinn für individuelle und geschmackvolle Kleidung ist, vor allem bei den Mädchen, anzuerziehen. m) Zigaretten rauchen. In den meisten Anstalten ist das Zigarettenrauchen verboten, in einigen erlaubt. Schon wegen der Schwierigkeit der Kontrolle sind gegen das Rauchen in der Freizeit bei über 16jährigen keine Bedenken zu erheben. IV. Verbindung mit der Außenwelt. a) Ausgang und Urlaub. Der durch den Urlaub gegebene erste Bewährungsversuch in der Freiheit erscheint auch als geeignetes Mittel, die Anstaltsmüdigkeit der Jugendlichen zu bekämpfen. Neben der Beurlaubung zu den Eltern, sonstigen Angehörigen oder guten Bekannten, ist der Besuch von Museen, Theatern und Kinos in kleinen Gruppen zu pflegen. Bei Jugendlichen, die erst kurze Zeit im Heim sind, oder solchen, die Schwierigkeiten in der Erziehung machen, wird die Freizeit für den Ausgang zu beschränken sein. Die Gewährung von Urlaub 141