Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 113 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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hier angestrebten Ziel: das populär-wissenschaftliche Nachschlagebedürfnis der gebildeten jüdischen und nichtjüdischen Kreise zu befriedigen. Gerade das ist beim „Jüdischen Lexikon", soweit aus dem vorliegenden ersten Bande geschlossen werden kann, in außerordentlich hohem Maße erreicht. Indem zwischen reiner Wissenschaftlichkeit und volkstümlicher Darstellung überall eine gesunde Mitte eingehalten ist und zur lebendigen Sprache die Anschaulichkeit eines prachtvollen Bildschmuckes im Text, in Tafeln und Beilagen hinzutritt, hat sich der stattliche, vornehm gebundene erste Band des jüdischen Lexikons bereits viele Freunde in allen Gemeinden erobert. An dieser Stelle dürfte vom Gcsamtinhalt in der Hauptsache zu berühren sein, was im jüngsten ABC des jüdischen Wissens an Mitteilungen über j ü d i s c h - s o z i a 1 e Begriffe, Einrichtungen und Personen enthalten ist. Der Artikel „A1 - m o s e n v o r s t c h e r" (Adolf Kobcr- Köln) belehrt uns, daß diese Organe der Armenpflege bereits in talmudisclicr Zeit bestanden, und daß in den jüdischen Gemeinden Deutschlands gleich mit den ersten Nachrichten von ihrem inneren Leben, auch der Almosenvorsteher Erwähnung geschieht. — Ueber die „Altersversorgung" in jüdischen Gemeinden (Fritz Lamm-Berlin) erfahren wir, daß sie wohl in der biblischen, für das Judentum charakteristischen Wertschätzung des Alters begründet liegt, aber sich erst verhältnismäßig spät als geschlossene Fürsorge entwickelt hat. In Horn wird 1682 eine Genossensehaft für Altersversorgung erwähnt. Im Laufe des 17. und 1!!. Jahrhunderts setzte die Weiterentwicklung ein, die bis zum Jahre 192(5 zu 53 jüdischen Anstalten im Deutschen Reich mit fast 2000 Plätzen geführt hat. - Bei den Artikeln, die sich mit Arbeit und Arbeiterfragen beschäftigen, ist dem „A rbeitcrf ü r s or g e a in t" (Alfred Berger- Berlin) der jüdischen Organisationen Deutschlands eine ausführliche Darstellung gewidmet. Die während der Kriegsjahre einsetzende, ziemlich starke Einwanderung jüdischer Arbeiter aus dem Osten führte zur Begründung des „Sekretariats für ostjüdische Arbeiter bei der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands in Berlin", als eines Schulz- und Rechtsbüros dieser Arbeiter und, nach Beendigung des Kriegs, aller in Deutschland lebenden ausländischen Juden. An die Stelle des Sekretariats trat mit Beginn des Jahres 1920 das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands". Begründet von allen großen jüdischen Sozialinstituten Deutschlands und in den Kosten der direkten sozialen Fürsorge für die Flüchtlinge vom Ameriean-Joint-Distribution Comittee gestützt, arbeitet es im engsten Zusammenhang mit den Reichs- und Staatsbehörden und hat in den Jahren 1920-24 über 100 000 Fälle fürsorgerisch und politisch-rechtlich behandelt. Seit dieser Zeit ist die Ostjudenfrage wieder in ruhigere Bahnen eingelenkt und die Fürsorgetätigkeit von den örtlichen Gemeinden übernommen. — Beim „Armenwesen" ist die nachbiblischc Zeit (Sam. Kraus-Wien) und das Mittelalter (Adolf Kober-Köln) berücksichtigt. Die „Gabe im Geheimen" und die dafür bestimmte „Büchse", sowie die „Schüssel" zur Verpflegung der ortsansässigen und zugereisten Armen gehören zu den ältesten Einrichtungen der jüdischen Gemeinde. Das Mittelalter schuf dann die Vereinstätigkeit. Es entstehen auch die Herbergen für fremde Juden, von denen sich in späteren Zeiten Krankenhäuser („Hospital!") abzweigten, die offene Waisenpflege, insbesondere aber die Vereine für Liebeswerke (Chcvraus), in denen neben religiösen Liebespflichten alle Aufgaben der Wohltätigkeitspflege ausgeübt wurden, so daß es „im 113