Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-03-01 · 2 (März-April 1929) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
2 (März-April 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 102 (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4794429-4929550-8238432--113-4794539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

derhort vereinigt, mögliehst wird eine Arbeitsstube für Frauen organisiert, und wenn man sich auf diese Weise einiges Vertrauen bei den Leuten des Viertels erworben hat, kann die soziale Arbeiterin mit Hilfe eines freiwilligen Hausarztes und einer Hadassah-Säuglingsschwester ihre eigentliche Aufgabe: die Familienpflege und Familienerziehung beginnen. Ihr Ziel muß es sein, auf allen Gebieten des Familienlebens Rat und Hilfe zu gewähren: in Krankheitsfällen, bei der Einschulung der — oft ohne Schulunterricht bleibenden — Kinder, bei der Begründung von Existenzen der einzelnen Familienmitglieder, in schwierigen Rechtsfällen, bei der Unterbringung neu einwandernder Verwandten, bei der Verhütung moralischer Mißstände usw. Bei der meistens wirtschaftlich recht trostlosen Lage der Leute können die Familienpflegcrinnen und ihre Hilfskräfte natürlich nicht darauf verzichten, die Leute mit den einzelnen Hilfsinstituten in Verbindung zu bringen, doch besteht ihre Hauptaufgabe darin, diese Leute zu einer gesunden Lebensführung und zu produktiver Arbeit zu erziehen. In einem Jerusalemer Viertel, in dem ein solches Zentrum für soziale Hilfe und Erziehung bereits seit vier Jahren besteht, lassen sich — abgesehen von der großen Zahl von Fällen, in denen praktische Hilfe geleistet werden konnte — durchaus schon die günstigen Folgen der systematischen Volkscrziclumg bei den Leuten des Viertels beobachten: die Frauen halten ihre Häuser und Kinder sauberer als früher, sie haben gelernt, einfache Mahlzeiten zu kochen (während früher die Ernährung ihrer Familien fast durchweg aus ungekochter Kost bestand), fast alle Kinder sind in Schulen untergebracht, das moralische Bewußtsein hat sich so gestärkt, daß die Leute selbst der Gemeindepflegerin gelegentliche Vergehen gegen Moral und Sitte innerhalb des Viertels melden, und der seit eineinhalb Jahren von der Frauenorganisation eingerichtete Kindergarten (der als Ersatz für einen unbeschreiblichen, in einem düsteren Keller gelegenen „Cheder" eingerichtet wurde) kann zum großen Teil durch die regelmäßig einlaufenden Schulgelder erhalten werden. Wenn die Histadruth Naschim Ibrioth die finanzielle Möglichkeit hätte, ähnliche Fürsorgezentren in allen Armutsvierteln der Stadt einzurichten, so könnte sie sicherlich mit der Zeit eine große volkserzieherische Aufgabe leisten und viel dafür tun, die Jerusalemer Bevölkerung vom Schnorren zur selbständigen Erhaltung ihrer Existenzen hinzuleiten. (Siehe hierzu: „Aus Palästina," Seite 109) 102

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.