Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 101 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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ohne wesentlich zur Heilung des gesamten Gebildes beizutragen. Diese Heilung beruht natürlich in erster Linie auf der Schaffung ausreichender Erwerbsmöglichkeiten, Außerdem könnte sie nur durch Gewöhnung der Jerusalemer Bevölkerung an selbständige Arbeit, an Unabhängigkeit von Hilfsinstituten erzielt werden — aber leider ist die von der Chalukah und ihren Folgeerscheinungen depravierte Bevölkerung so an „Schnorren" gewöhnt, daß die Bemühungen des neuen Jischub, den alten Jischub zu Selbständigkeit und Selbstachtung zu erziehen, ungeheuer erschwert sind. Infolge dieser eigenartigen Beschaffenheit der Jerusalemer Bevölkerung muß hier in der Wohlfahrtspflege durchaus das Bestreben herrschen, jede Hilfsarbeit zu einer volkserzieherischcn Arbeit zu machen. In jedem Falle, wo es sich um Jugendfürsorge handelt, ist das möglich: aus den Kindern, die durch Jerusalcmer Waisenhäuser, Kinderhorte, Spielplätze, Fachkurse erzogen werden (ganz zu schweigen vom Einfluß der nationalen Schulen), gehen viele selbständige aufrechte Menschen hervor. Das Bestreben der sozialen Arbeit muß aber energisch darauf gerichtet sein, auch die häusliche Umgebung der jungen Generation so zu beeinflussen, daß sie den erzieherischen Einfluß der Fürsorgearbeit nicht immer aufs neue gefährdet. Auf diesem Gebiet hat sich die „Hadassah" viele Verdienste erworben, indem sie bei ihren Einrichtungen zur Schwangeren- und Säuglingspflege immer großen Wert darauf gelegt hat, nicht nur zu spenden, sondern aufzuklären und die Bevölkerung zur Selbsthilfe und Nächstenhilfe zu erziehen. Besonders klar verfolgt dieses Ziel auch die palästinensische Frauenorganisation „Histadruth Naschim Ibrioth", Jerusalem. Am deutlichsten ist dieses Prinzip in der Einrichtung der Naehbarschaftszcntren durchgeführt. Diese Zentren werden in den allerärmsten Vierteln der Stadt eingerichtet, die vorwiegend von Einwanderern aus Ycmcn, Persien, Marokko, Bucharien, Georgien usw. bewohnt sind, — lauter Leute, denen das Betteln in Privathäusern, an der Klagemaucr, bei Suppcnküchen und anderen philantropischen Instituten als ein vollgültiger Beruf erscheint. Hier wird von der Organisation eine kleine Wohnung gemietet, die als Zentrum für die Arbeit einer Reihe von freiwilligen Kräften und einer angestellten sozialen Arbeiterin dient. Hier werden hebräische Sprachkurse und Handfertigkcitszirkel eingerichtet, populäre Vorträge und kleine Feste für die Bewohner des Viertels veranstaltet, die kleinen Kinder werden in einer Krippe, die größeren im Kin- 101