Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 100 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Lande selbst Organisationen für Wohlfahrtspflege, oder bereits bestehende Organisationen erhielten einen neuen Impetus. Neben dem Waad ha' Ir (städtischer Gemeindeverein), der sich vor allem das Ziel setzte, Einwanderern bei ihrer Ansiedlung mit Rat und Mitteln zur Seite zu stehen, traten besonders einige Frauenvereine energisch auE den Plan. „Eser Joldot" nahm sich der bedürftigen Wöchnerinnen an, ,,Esrat Naschim" vergrößerte ihr Irrenhaus und richtete, ebenso wie der „Misrachi Erauenverein" eine Näh- und Handarbeitsschulc ein, „Histadruth Naschim Ibrioth" arbeitete Hand in Hand mit der „Hadassah" an der Einführung der Säuglingsstationen, brachte verlassene Säuglinge zuerst in Privatpflegcn, dann in ihrem Säuglingsheim unter, richtete Nähkurse für werdende Mütter und hebräische Mütterkurse ein, schuf die Werkstube „Schani" für orientalische Handarbeiten, verteilte Kindermileh und neue, zweckmäßige Kleidung. Außer den Frauengesellschal'ten leistet auch die Anti-Tuberkulosegesellschaft wertvolle Arbeit. Heute gibt es in Jerusalem 18 Vcrleilungsstcllcn für Ereimahlzeiten, Kleidung, Anweisungen auf Freibetten, ferner 13 Darlehnskassen, 9 GesundheitsinstiLute, 7 Waisenhäuser (ein Teil ist bereits abgebaut) für Voll- und Halbwaisen, 2 Altenheime. — Hierzu kommt eine ganze Reihe von Instituten: Kindergärten (die hier gleichzeitig die Aufgaben von Kinderhorten erfüllen), Schulmahlzeiten, Fachschulen, hebräische Kurse usw., die teilweise auf Zuschüsse angewiesen sind. Das Entmutigende bei diesen Bestrebungen zur Wohlfahrtspflege liegt darin, daß trotz der ungeheuren Fülle von gutem Willen, Kraft und Mitteln, die hineingesteckt werden, kaum ein einziges Gebiet so erschöpfend behandelt werden kann, daß wirklich die einzelnen Probleme der Wohlfahrtspflege dadurch eine Lösung erfahren. Den meisten Anspruch auf Vollständigkeit der Lösung konnte wahrscheinlich die sofort nach dem Kriege eingerichtete, hauptsächlich vom Joint Distribution Committee finanzierte Waisenpflege erheben; nachdem sich der Joint letzthin von dieser Arbeit zurückgezogen hat, herrschen hier sehr schwierige Verhältnisse. Eine sehr systematische Arbeit hat auch die „Hadassah" mit ihren Kranken- und Gesundheitspflegeinslituten und den aus dem Nathan Strauß-Fonds erhaltenen Säuglingsstationen ins Land gebracht (Jahresbudget von etwa 42 500 £). Sehr entmutigend ist auch für den sozialen Arbeiter in Jerusalem das Bewußtsein, daß er bestenfalls immer nur eine einzelne Krankheitserscheinung am Volkskörper lindern kann, 100