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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-03-01 · 2 (März-April 1929) · p. Seite 98

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
2 (März-April 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 98 (sequence 32)
Language
German
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Ganz anders verhält es sich mit dem „alten Jischub". Dieser besteht aus Leuten oder den Nachkommen von Leuten, die nach Palästina kamen, um den Rest ihres Lebens in Beten an den heiligen Erinnerungsstätten des Judentums zu verbringen. Um sich ganz ungestört dem Gebet für sich und andere Menschen hingeben zu können, werden diese Leute bis an das Ende ihrer Tage von ihren Heimatsgemeinden mit Mitteln ausgestattet. Diese Verteilung von Mitteln an fromme Beter in Palästina heißt „Chalukah". Aus dieser Chalukah erwuchsen allmählich höchst bedenkliche Zustände: da die Familien der frommen Beter von ihren „Kolelim" (Gemeindeverein, deren Mitglieder der gleichen europäischen Stadt oder Provinz entstammen) erhalten wurden, so zog diese Institution eine Fülle von Familien ins Land, bei denen das Beten nur ein Vorwand war, um ohne jegliche Arbeit von anderen Leuten erhalten zu werden. Diese Familien pflanzten sich fort in eine zweite, dritte und vierte Generation, aber mit ihnen pflanzte sich das Uebel der Scheu vor produktiver Arbeit, die Gewöhnung an Almosenempfangen fort. Dem Beispiel der Aschkenasim folgten bald die orientalischen Juden, die sich gleichfalls zu Kolelim zusammenschlössen, welche sich auf Unterstützung durch ihre orientalischen Heimatsländer verließen. Diese Kolelim betreiben ein großzügiges System der Schnorrerei; ihre „Meschulachim" oder Sendboten bereisen die ganze Welt, vor allem Amerika, um Mittel zu erbitten, und daneben gehen täglich Hunderte von Bettelbriefen in die Welt hinaus. Einer kürzlich aufgenommenen Statistik zufolge erhalten 29 Jerusalemcr Kolelim und orientalische Gemeindevereine zusammen pro Jahr etwa 80 000 £ derartiger Spenden. Dazu kommen allein für Jeschiboth (in denen ebenfalls die Lernenden zum Teil oder ganz erhalten werden) rund 64 000 £. Nach den Angaben der Kolelim allein werden aus diesen Mitteln 33 485 Personen unterstützt, d. h. ganze Familien erhalten jahraus jahrein ihren vollen Lebensunterhalt oder regelmäßige Wirtschal'tszuschüsse, ohne daß jemals der Versuch unternommen wird, diese Existenzen an wirtschaftliche Selbständigkeit zu gewöhnen. Derartig unnormale und ungesunde Verhältnisse müssen natürlich zur Degeneration dieses ganzen Bevölkerungskreises führen. Solche systematische Schnorrerei muß fortzeugend Böses gebären, und sie tut es, indem die Kunde von einem Leben, das ganze Generationen von Familien ohne Arbeit erhält, in alle Judengemeinden des Orients gedrungen ist und ein zahlreiches Lumpenproletariat aus Persien, Bagdad, 98

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