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Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege · 1929-03-01 · 2 (März-April 1929) · p. Seite 97

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Journal
Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
Volume
1 (1929)
Issue
2 (März-April 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 97 (sequence 31)
Language
German
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ten, daß hier der einzelne seine Not und Kulturlosigkeit weniger stark empfindet als anderwärts, weil er sie mit allen anderen teilt. Durch Schulen und Kindergärten der Zionistischen Organisation, das Gesundheitswesen der Hadassah Medical Organisation, Ortsgruppen der Histadruth Naschim Ibrioth, die für Handfertigkeitskurse und Säuglingsschutz sorgt, sowie durch die hier herrschende Kenntnis vom Bestehen von Landesinstituten zur Aufnahme von Waisen, Blinden, Siechen usw. ist auch an diesen Orten schon einiges Verständnis für die Erfordernisse einer geregelten Fürsorge für die sehwachen Elemente der Gemeinschaft erwacht. Aber hier ist man noch unendlich weit entfernt von allem, was Anspruch auf den Namen „Wohlfahrtspflege" hat, und wird wohl, auf sich selbst angewiesen, noch lange nicht zu einer solchen gelangen. Hier werden voraussichtlich noch viele Existenzen körperlich und seelisch zugrunde gehen müssen, ehe in der Bevölkerung das Verständnis für ihre eignen sozialen Schäden und deren Abhilfe durch Selbsthilfe wach werden wird. Andererseits werden die zentralen Wohlfahrtsinstitute des Landes gerade aus diesen Städten immer neuen Zuspruch finden und der Geist der Chalukah wird in Palästina nicht aussterben, solange es nicht gelingt, den Geist lokaler und nationaler Wohlfahrtspflege in der Bevölkerung dieser Orte zu erwecken. Welche Bewandnis es mit diesem Geist der Chalukah hat und inwiefern er die Menschen dauernd zu Objekten der Wohlfahrtspflege macht und sie hindert, zu ihren Trägern zu werden, sieht man am deutlichsten bei einer Betrachtung der Verhältnisse in Jerusalem. An keinem anderen Ort kommt der „Alte Jischub", den die Chalukah ins Land gebracht hat, mit dem neuen Jischub in eine so enge Berührung wie hier. Nirgends wird es klar wie hier, daß dem neuen Jischub dadurch, daß er die Mitverantwortung für den alten Jischub übernahm, untragbare Aufgaben aufgebürdet wurden. Die Begriffe „alter und neuer Jischub" sowie „Chalukah" sind allgemein so bekannt, daß sie hier nur mit wenigen Worten ins Bewußtsein des Lesers zurückgerufen zu werden brauchen. Mit neuem „Jischub" bezeichnet man die vorwiegend zionistischen Einwanderer, die mit dem klaren Programm nach Palästina gekommen sind, durch produktive Arbeit das Land dem jüdischen Volke neu zu gewinnen. Selbstverständlich gehören zu diesem Kreise nicht nur Handarbeiter, sondern auch Lehrer, Beamte, Acrzte, Kaufleute usw., aber gemeinsam ist allen der Wunsch nach Selbsterhaltung durch Arbeit im Land. 97

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