Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 93 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Probleme palästinensischer Wohlfahrtspflege Von Helene Hanna Thon, Jerusalem. Es ist unmöglich, die Bestrebungen zur Wohlfahrtspflege, die sieh heute in Palästina finden, im gleichen Sinne wie die anderen Länder als eine Einheit zu behandeln. Die palästinensische Bevölkerung im ganzen und innerhalb derselben die jüdische Bevölkerung, setzt sich aus einzelnen Gruppen zusammen, die durch ganze Welten von physischen, wirtschaftlichen und kulturellen Unterschieden (zu denen auch der Unterschied der Sprachen gehört) von einander geschieden sind. Diese Unterschiede sind so groß, daß sie auch eine räumliche Trennung der einzelnen Gruppen bedingen, indem sich die verschiedenen Bevölkerungsteile zu eigenen Kolonien zusammenschließen. So bilden die zionistischen Arbciterkolonien wirtschaftliche und kulturelle Einheiten, die absolut verschieden sind von denen der älteren Pllanzcrkolonien in Judäa und Samaria und zwischen den Bevölkerungskreisen der einzelnen Wohnviertel in den Städten bestehen größere Wesensunterschiede, als zwischen den verschiedenen europäischen Völkern. Gemeinsam ist den jüdischen Bevölkerungsgruppen — mit wenigen Ausnahmen — ein hoher Prozentsatz von Hilfsbedürftigen, in irgendeiner Form der Wohlfahrtspflege zufallenden Elementen, doch ist es, bei der gewaltigen Verschiedenheit der Gruppen, unmöglich, die einzelnen Zweige der Wohlfahrtspflege nach einem für alle Bevölkerungskreise gleichartigen System zu behandeln. So kommen z. B. die Genossen der Arbeitersiedlungen auf dem Lande, sowie die Mitglieder der städtischen Arbeiterkooperativen für eine Wohlfahrtspflege im herkömmlichen Sinne überhaupt nicht in Betracht. Der Gedanke dieser Siedlungen besteht bekanntlich darin, daß zu körperlicher Arbeit fähige, vorwiegend junge Menschen sich zu Arbeitergenossenschaften zusammenschließen. Das Ziel dieser Gemeinschaften ist in erster Linie die Urbarmachung des palästinensischen Bodens, in zweiter Linie die wirtschaftliche Selbsterhaltung der Siedlung. Wer an der Mitarbeit an diesem Ziel dauernd gehindert ist, müßte eigentlich aus der Siedlung ausscheiden und logischerweisc das Land verlassen. Die temporär Leistungsunfähigen sowie die Kinder der Gruppe müssen — theoretisch — aus dem Arbeitsverdienst der Genossen erhalten werden. Die Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeiterschaft (für Kinder, Kranke, Wöchnerinnen, neue Einwanderer, Ar- 93