Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 2 (März-April 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 91 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Sorge um die Gesundheit oder anders ausgedrückt, die Angst vor Krankheit und Tod haben bei den Juden eine Arztbedürftigkeit in hohem Grade geschaffen. Diesem hohen Wert steht höchstens der Nachteil des Zuviel insofern entgegen, als der Arztwechsel häufig ist, d. Ii. die Geduld nicht immer wünschenswert groß ist. Aber die Sorge um das Wohlergehen der Familie macht sie doch auch großen persönlichen Opfern, die die Behandlung fordert, wieder leichter zugänglich. Ein nicht unwesentlicher Punkt ist die bekannte Enthaltsamkeit vom Trinken, was gerade bei der Tuberkulosebekämpfung von größter Bedeutung ist. Der letzte Erfolg in der Tuberkulosebekämpfung steht und fällt mit der Frage der Beiehrbarkeit des Kranken, mit der Einsicht in das Wesentliche des Kampfes. Und das kann bei den Juden als gegeben angenommen werden. Es ist die entscheidende Frage bei einem kleineren gut erfaßbaren Kreis von Menschen, wie es die die Wohlfahrtspflege in Anspruch Nehmenden ist, daß der ganze Kreis restlos erfaßt wird. Es ist selbstverständlich, daß die jüdische Wohlfahrtspflege sich in die allgemein bestehende eingliedern muß und daß sie von den bestehenden Einrichtungen in weitgehendstem Maße Gebrauch macht. Das gilt besonders auch für die Tuberkulosebekämpfung, wo eigene Fürsorgestellen natürlich nur dort geschaffen werden sollen und müssen, wo nicht allgemeine bestehen oder wo diese den Wunsch äußern, daß sie entlastet werden. Etwas underes ist es mit der Erfassung des Milieus des tuberkulösen jüdischen Menschen. Die Forderungen, die wir ziehen müssen aus diesen Erörterungen, lassen sich daher dahin zusammenfassen: 1. Zentralisierung des sozialen Hilfswerkes schlechthin, wie das ja überall angestrebt wird. Ganz abgesehen von der alleinigen Möglichkeit, ein Gesamtbudget aufzustellen, wird es nur so durchführbar, daß alle Unterstützungsbedürftigen wirklich erfaßt werden und daß ihnen die zur Verfügung stehenden Mittel in gerechter Weise zufließen. Die wirklich Bedürftigen werden so nicht ausgeschaltet und die Ueberanspruchsvollen können nicht gleichzeitig aus verschiedenen Stellen Unterstützung beziehen. 2. Der Ausbau eines weitverzweigten sozialhygienischen Hilfsdienstes mit der besonderen Aufgabe, die Wohnungen aller Unterstützten planmäßig zu sanieren und bei Widerständen einen eigens dafür verantwortlichen Arzt zur Durchführung der notwendigen Maßnahmen heranzuziehen. Also 91